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französischen Nationalökonomen jener Zeit, Michel Chevalier ,die Furcht, die grosse Goldausbeute könne das Gold entwertenund zum Geldstolf untauglich machen; er riet deshalb, seineAusmünzung einzustellen und ihm so die Thore zu verschliessen.Als diese Furcht sich als grundlos erwies, als der französischeVerkehr die Wohlthaten eines Goldumlaufs immer mehr empfand,als die gesamte volkswirtschaftliche Wissensehaft fast vollständigfür die Goldwährung gewonnen war, da vertrödelte Frankreich die kostbare Zeit mit endlosen Enqueten und Kommissionen;und doch brauchte es damals nur zuzugreifen, um ohne alleMühe und ohne jede Kosten eine vollkommene Goldwährung zuhaben. Der ehemalige Silberumlauf war durch das Eindringendes neuen Goldes und durch den gleichzeitigen gewaltigen Silber-bedarf Indiens, der auf die französische Silberzirkulation wie einPumpwerk wirkte, so weit verschwunden, dass Massregeln zurErhaltung des für den Kleinverkehr unbedingt notwendigenSilberquantums ergrilfen werden mussten. Frankreich hättedamals nur das freie Prägerecht für Silber aufzuheben brauchen,um dadurch die Rückkehr des Silbers für alle Zeiten auszu-schliessen, — und die Goldwährung, welche thatsächlich bereitsbestand, war dauernd festgelegt und gesichert. Nicht nur, dasssich die Gunst dieser Verhältnisse den Leitern der französischenWirtschaftspolitik von selbst darbot, sie wurden auch noch durcheinen Druck von aussen auf die Benutzung der guten Gelegenheithingewiesen. Als Frankreich im Jahre 1865 mit Belgien , derSchweiz und Italien über den Abschlugs eines lateinischenMünzbunds verhandelte, verlangten diese Staaten die Gold-währung als Grundlage; aber die französischen StaatsmännerHessen sich von den Bedenklichkeiten der Pariser Haute Finance,welche ohne die Doppelwährung nicht glaubte existieren zukönnen, beherrschen und lehnten den Übergang zur Goldwährungab. Herr de Parieu, der Vizepräsident und spätere Präsidentdes französischen Staatsrates, war zwar ein überzeugter Anhängerder Goldwährung, aber seine Ideen fanden hartnäckigen Wider-stand bei dem überaus doppelwährungsfreundlichen FinanzministerMagne, und statt seine ganze Persönlichkeit für die Beseitigungdieses Widerstandes einzusetzen, gab er sich zunächst mit demGlanz zufrieden, welcher Frankreich als Vormacht der lateinischenMünzunion umstrahlte. Auch später war sein Streben haupt-