- 191 —
sächlich auf die Gründung eines internationalen Münzbundes aufder Grundlage des französischen Münzsystems und unter demhohen Protektorate der kaiserlichen französischen Regierunggerichtet, und er präsidierte der grossen internationalen Münz-konferenz, welche Frankreich im Jahre 1SG7, dem Jahre derersten Weltausstellung, nach Paris berief. Neunzehn europäischeStaaten und die Vereinigten Staaten A r on Amerika waren ver-treten, und alle bekannten sich — gegen die eine Stimme derNiederlande — in der Form eines Beschlusses zu der Ansicht,dass eine Münzeinheit nur auf Grundlage der Goldwährung
O O
erreicht werden könne.
Das war ein deutlicher Fingerzeig, wohin die universelleEntwickelung des Geldwesens strebte. Statt aber diesem Finger-zeig entschlossen zu folgen, liess Frankreich Herrn de Parieu undden Finanzminister Magne vor den verschiedensten Instanzenüber die Währungsfrage streiten, ohne eine Entscheidung zutreffen; und statt seine Aufmerksamkeit auf die Hauptsache zurichten, wendete es sie auf die Erreichung eines äusseren Erfolges,auf die Gründung eines Weltmünzbundes, obwohl jedermann, derAugen hatte, in Anbetracht der ablehnenden Haltung Englands und anderer Staaten, damals schon die Unmöglichkeit, zu diesemZiel zu gelangen, einsehen musste.
Erst als der Krieg bereits ausgebrochen war, Ende Juli 1870,kam in Paris die letzte grosse Währungs-Enquete vor dem„Conseil Superieur du commerce, de l'agriculture et de Findustrie"zum Abschluss, dessen grosse Majorität sich entschieden für dieEinführung der Goldwährung aussprach.
Aber jetzt war es bereits zu spät. Hie günstige Gelegenheit,welche jahrelang unbenutzt geblieben war, sollte nicht wieder-kehren. Hie Folgen des Krieges machten Frankreich für einigeZeit aktionsunfähig. Die Einstellung der Barzahlungen der Bankvon Frankreich und die Zahlung der Kriegskoston-Entschädigungnötigten Frankreich , die freie Prägung von Silber aufrecht zuerhalten; denn es konnte sich in jenen schweren Zeiten, wo jedeMetallwährung besser erschien als eine Papierwährung, und woes die Kontribution auch in silbernen Fünffrankenstücken zahlendurfte, nicht selbst die Mittel zur Zahlungsleistung beschränken.
Dagegen wurde Deutschland durch die Gründung des Reichesendlich in den Stand gesetzt, eine durchgreifende Reform des