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Geldwesens vorzunehmen, und was den Übergang zur Goldwährunganlangt, so wurde das neue Reich durch den bevorstehendenEmpfang der grossen Kontribution auch finanziell befähigt, denkostspieligen Ubergang zur Goldwährung zu bewerkstelligen.
Wie ganz anders, als während der sechziger Jahre inFrankreich, wurde nunmehr in Deutschland die Gunst der Ver-hältnisse ausgenutzt!
Auch in Deutschland hatte der Bundesrat des NorddeutschenBundes unmittelbar vor dem Kriege eine grosse Münz -Enqueteausgeschrieben. Die Fragebogen waren gedruckt und lagen zurVersendung bereit. Nach dem Kriege hielt die Reichsregierungdie Zeit für zu kostbar zum Raten und entschloss sich zum so-fortigen Handeln. Die Enquete war nach der jahrelangen öffent-lichen Diskussion über die Münzfrage in der That überflüssig,und die Fragebogen wanderten in den Papierkorb. Entschlossenlegte die Reichsregierung alle phantastischen und unerfüllbarenGedanken an eine internationale Münzeinigung bei Seite undkonzentrierte ihre Bemühungen ausschliesslich auf das praktischDurchführbare. Noch in dem Jahre des Friedensschlusses kamein vorbereitendes Münzgesetz zu Stande, welches ein einheitlichesund wohlgeordnetes Münzsystem als Ersatz für die verschiedenendeutschen Landeswährungen brachte und welches bereits diewichtigsten Grundzüge der Goldwährung enthielt. AnderthalbJahre später wurde im Münzgesetz vom 9. Juli 1873 der gesetz-geberische Teil der deutschen Münzreform zum Abschluss ge-bracht. Die energische und zielbewusste Arbeit zweier Jahremachte der sprichwörtlichen deutschen Münz -Misere ein Endeund gab Deutschland eine Geldverfassung, welche kaum durchdie irgend eines anderen Landes übertreffen wird.
Nur die Schnelligkeit der Entschlüsse und ihrer Durchführunghat Deutschland in den Stand gesetzt, das grosse Werk derMünzreform ohne ernsthafte Schwierigkeiten und mit unglaublichgeringen Kosten durchzuführen 1 ). Die gewaltige Umwälzung der
] ) Die Kosten der deutschen Münzreform sind wenig bekannt, dürftenaber docli wohl ein grösseres Publikum interessieren. Bis zum Schluss desEtatsjahrs 1897/98 stellen sie sich fölgendermassen:
Die Ausgaben für das llünzwesen seit dem Beginn der Reform beliefensich insgesamt auf................ 132,3 Millionen iL