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internationalen Wahrungsverhältnisse, welche die Verwendung desSilbers als Geldstoff so sehr beschränkte, konnte sich unmöglichvollziehen, ohne einen starken Druck auf den Silberwert aus-zuüben. Je weiter die Entwertung des weissen Metalles fort-schritt, desto schwieriger und kostspieliger musste der Währungs-wechsel werden, und deshalb hatte der erste Staat, welcher inden allgemeinen Umschwung eintrat, einen beträchtlichen Vor-sprang vor allen folgenden. Dass Deutschland sofort nach demFriedenssehluss als erster Staat auf dem europäischen Festlanddas kühne Wagnis des Übergangs zur Goldwährung unternahmund sich dadurch die günstigsten Bedingungen für den auf dieDauer unvermeidlichen Währungswechsel sicherte, verdanken wil-dem klaren Blick, der Konsequenz und Entschlossenheit derMänner, welche damals in der Reichsregierung, im Reichstag undin der weiten Öffentlichkeit mit unermüdlichem Eifer und nieerlahmender Thatkraft für den sofortigen Übergang zur Gold-währung eintraten.
Aus dem glänzenden Kreise der hervorragenden Persönlich-keiten, welche damals das öffentliche Leben Deutschlands zierten,haben sich besonders drei Männer um die Ordnung des deutscheuMünzwesens verdient gemacht: Adolf Soetbeer, LudwigBamberger und Rudolf von Delbrück .
Soetbeer war ein Gelehrter von seltenem Fleiss und unge-wöhnlicher Gründlichkeit. Er hat durch seine grossen statistischen
Davon kommen auf die beim Verkauf der ein-geschmolzenen Silbermünzen erlittenen Verluste 98,8Millionen M., und von diesen Verlusten fallen wiederumauf die unterwertige Ausprägung und die Abnutzungder eingeschmolzenen Silbermünzen 24,4 Millionen M.Der eigentliche Verkaufsverlust beliiuft sich also auf74,4 Millionen Mark.
Den Ausgaben stehen grosse Einnahmen gegen-über, welche sich hauptsächlich aus der Geldbeschaffungund der Ausprägung der Reichsscheidemünzen ergeben
haben; sie belaufen sich im ganzen auf...... 105,4 Millionen M.
Die ganze Münzreform und die Erhaltung desMünzwesens hat also bis zum 31. März 1898 nur einen
Zuschuss von.................. 26,9 Millionen M.
erfordert.
Helfferich, Abhandlungen. |3