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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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Arbeiten der Währungswissenschaft eigentlich zuerst eine solideGrundlage gegeben. Daneben war er ein überaus eifriger Publizist,und als solcher hat er in jahrzehntelanger unermüdlicher Thätig-keit in Deutschland den Boden für die Goldwährung vorbereitet.In zahllosen Artikeln und Broschüren bemühte er sich, in Deutsch-land das Verständnis für das grosse währungspolitische Problemzu verbreiten, und die meisten Vorsammlungen des deutschen Handelstages und des Volkswirtschaftlichen Kongresses, welchevon 1859 bis 1871 über die Münzfrage berieten, sahen ihn alsReferenten. Auch in späteren Jahren, als es galt, das Errungenezu vertheidigen, war er bis in sein hohes Alter, bis unmittel-bar vor seinem Tode, stets auf dem Plan, um die gute Sachedurch sein hohes Ansehen und sein reiches Wissen zu unter-stützen.

Unter den Parlamentariern, welche an der Münzreform mit-gearbeitet haben, ragt Ludwig Bamberger weit hervor. WasSoetbeer in mühsamer Arbeit vorbereitet hatte, wusste er inpraktische That umzusetzen. Wesentliche Züge der deutschen Münzverfassung sind sein Werk, und vor allem ist es seinementschlossenen Auftreten zu verdanken, dass das Münzwesen inallen wichtigen Punkten zur Reichsangelegenheit gemacht wordenund nicht der Kompetenz der Einzelstaaten unterstellt gebliebenist. Seiner gründlichen Sachkenntnis, welche ihn auch denGegnern als Autorität erscheinen liess, seiner glänzenden undeindringlichen Beredsamkeit, seiner parlamentarischen Gewandtheitund seinem politischen Blick ist es hauptsächlich zu danken, dassdas Schifflein der Münzreform an allen Klippen und Fährnissendes theoretischen Disputs, der widerstreitenden Interessen undnamentlich auch des partikularistischen Eigensinns glücklich vor-beigesteuert worden ist. Jene ersten Jahre des neuen Reichsbedeuten den Höhepunkt des praktischen Schaffens dieses Mannes.Damals herrschte in der Reichsregierung und im Reichstage nochein Geist, welcher ihm eine weitgehende positive Mitarbeit anallen grossen Gesetzgebungswerken ermöglichte, und, wie manauch die seitherige Entwickelung der Wirtschaftspolitik beurteilenmag, das wird man nur bedauern können, dass so bedeutendeKräfte wie Bamberger und wie Delbrück ohne Ersatz frühzeitigmatt gesetzt worden sind.

Das Verdienst, die Reichsregierung in der Münzfrage zum