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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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ein vorübergehender Rückgang der Goldproduktion und grossefinanzielle Transaktionen zur Wiederaufnahme der Barzahlungenin Amerika und Italien die bedenkliche Lage der deutschen Goldwährung erheblich verschärften, folgte ein glänzender Auf-schwung des deutschen Geldwesens. Entgegen den bimetallistischenBehauptungen über die Goldknappheit nahm der deutsche Gold-umlauf von Jahr zu Jahr beträchtlich zu, so dass er gegenwärtigfast doppelt so gross sein dürfte, wie um die Mitte der achtzigerJahre (2900 Millionen gegen 1650 Millionen Mark). Der über-flüssige Thalerrest, welcher uns durch die Einstellung der Silber-verkäufe geblieben ist und welcher anfänglich die Sicherheit derdeutschen Währung bedrohte, hat sich immer mehr vermindertdurch Umprägung in Reichssilbermünzen und durch das wachsendeBedürfnis des Verkehrs an Silbergeld. Gleichzeitig hat die ge-samte internationale Lage der Währungsverhältnisse, je weiterder allgemeine Ubergang zur Goldvaluta vorwärts schritt, um somehr von den Gefahren und Unbequemlichkeiten des Übergangsverloren. Namentlich ist infolge der jüngsten Massregeln Öster-reichs, Russlands, Japans , Indiens und anderer Länder dieWährungsgleichheit und eine feste Wechselparität mit diesenStaaten hergestellt und damit finden alle berechtigten und unbe-rechtigten Klagen über dieValutadifferenzen" ihre Erledigung.Immer mehr zeigt die weltgeschichtliche Entwicklung, wiethöricht die bimetallistisehc Auffassung ist, Deutschland habedurch seinen Schritt die natürliche Entwickelung der Währungs-verhältnisse aus der Bahn gelenkt, und immer aussichtsloserwerden die Versuche, dem rollenden Rad in die Speichen zufallen, es zum Stehen zu bringen oder gar rückwärts zu drehen.

Von den Begründern der deutschen Geldverfassung weilenRudolf von Delbrück und Ludwig Bamberger ') heute nochunter uns. Beiden Männern ist es beschieden, dass sie hoch-betagt auf die glänzende Rechtfertigung, welche die Geschichteselbst ihnen hat zu Teil werden lassen, blicken und sich derreichen Früchte ihrer unvergänglichen Wirksamkeit freuen können.

J ) Ludwig Bamberger ist am 14. März 1899 gestorben.