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erbracht, wie wenig das Agrariertum bei uns aus eigener Kraftvermag. Die Klugen unter den Agrariern zogen sich in richtigerErkenntnis der Sachlage bald aus der Affaire und überliessen eseinigen wenigen Heissspornen und Draufgängern, sich ausser derunvermeidlichen Niederlage auch noch den Fluch der Lächerlich-keit zu holen. Bei der zweiten Lesung der Banknovelle imReichstage stimmten für einen dazu noch stark verwässerten Ver-staatlichungsantrag nur noch zwei Lnentwegte: der Chef derdeutschen Bimetallisten Arm in Arm mit dem Präsidenten desBundes der Landwirte; das ganze Bimetallisten- und BündlerheerHess seine Führer im Stich.
Freilich hat es einen grossen Kampf gekostet, bis man soweit war. Drei lange Sitzungen verwendete der Reichstag aufdie erste Lesung des Entwurfes. Die Kommission, an welchedie Vorlage verwiesen wurde, hat nicht weniger als sechzehnSitzungen gebraucht, um sich zu einigen. Aber schliesslich gelanges doch, einen Kompromiss zu Stande zu bringen, welcher von derKommission in dritter Lesung mit 21 gegen 6 Stimmen an-genommen Avurde. Um eine möglichst grosse Majorität für dasGesetz zu sichern, wurde von der einen Seite eine stärkere Er-höhung des Grundkapitals und des steuerfreien Notenkontingentsder Reichsbank, ferner eine grössere Beschneidung des den An-teilseignern zufallenden Gewinnanteiles zugestanden, als in derRegierungsvorlage beantragt war, und ausserdem wurde auf eineVerlängerung des Reichsbank-Privilegiums um mehr als zehnJahre Verzicht geleistet. Der Reichstag schloss sich diesemKompromiss an. Die von gewisser Seite laut gewordene und aufdie Besehlussuniahigkeit des Reichstages spekulierendeObstruktions-Absicht wurde durch die stattliche Präsenz, welche die Beschluss-fähigkeit des Hauses über allen Zweifel erhob, vereitelt. DieWortführer der grossen Parteien beschränken sich, der langenVerhandlungen müde, in der zweiten und dritten Lesung zumeistauf kurze Erklärungen, und schliesslich wurde das Gesetz in derFassung der Kommission am 28. April gegen die Stimmen derKonservativen und Antisemiten angenommen. Inzwischen hateine ausserordentliche General-Versammlung der Anteilseignerder Reichsbank ihre Zustimmung zu dem neuen Gesetze erklärt,und die Publikation desselben im Reichsgesetzblatt ist am 7. Junidieses Jahres erfolgt.