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dass weder die Hoffnungen der eifrigen Vertreter einer möglichststarken Kapitalserhöhung noch die Befürchtungen, der Gegnereiner solchen sich in vollem Umfange erfüllen werden; dass aberim allgemeinen die Vermehrung der eigenen Mittel der Reichs-bank — ob um 60 oder um 90 Mill. M., das verschlägt wenig —für die gesamte Position dieses Instituts von günstigem Einflüssesein wird.
Wie oberflächlich die Ansicht ist, dass die Erhöhung desStammkapitals einer Notenbank gleichbedeutend mit einer Ver-mehrung ihres Barvorrates sei und deshalb ohne weiteres einebilligere Kreditgewährung ermögliche, ist bereits dargelegt worden.
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Es liegt hier eine grobe Uberschätzung des Einflusses der Noten-banken auf den Zinsfuss vor und ferner eine Überschätzung derBedeutung des Stammkapitals für die Zinspolitik der Notenbanken.Soweit die Notenbanken den Zinsfuss beeinflussen und regulierenkönnen, haben sie diese Fähigkeit vermöge ihres elastischen Noten-umlaufes, der sich innerhalb der Grenze, welche durch die steteMöglichkeit der Noteneinlösung gegeben ist, nach den Bedürfnissendes Verkehres ausdehnen kann. Jede metallisch ungedeckte Note,die mehr ausgegeben wird, ist ein neues Zahlungsmittel undkommt einer gesteigerten Geldnachfrage entgegen. Die Kapitals-erhöhung einer Notenbank dagegen schafft keine neuen Zahlungs-mittel, sondern überträgt lediglich Bargeld aus dem freien Verkehrin die Bank. Was hier mehr ist, ist jetzt dort weniger, undGeldbedürfnisse, die früher im freien Verkehre Befriedigungfanden, müssen sich jetzt an die Notenbank wenden.
Gleichwohl kann eine Kapitalserhöhung die gesamte Positioneiner Notenbank unter gewissen Voraussetzungen stärken.
Auch wenn der Reichsbank die gesamten neuen Mittel,welche ihr durch die Kapitalserhöhung zugeführt werden, durchvermehrte Kreditansprüche wieder entzogen werden sollten, sobleiben doch gewisse Vorteile bestehen. In diesem Falle wirdder Vermehrung der eigenen Mittel auf der Passivseite der Bilanzeine Vermehrung der AVechsel- und Lombardanlage auf der Aktiv-seite entsprechen, während hier der Barvorrat, dort Noten undfremde Gelder nicht alteriert werden. Dadurch würde nun vorallem das Deckungsverhältnis der unverändert gebliebenen täglichfälligen Verbindlichkeiten durch Bargeld und Portefeuille eineVerbesserung erfahren, und dieses Deckungsverhältnis hat neben