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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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Erfolg. Ihre Vorstösse im Reichstag scheiterten glänzend, unddie Reichsregierung war so sehr zur Vollendung der Münzreform

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entschlossen, dass sie im Jahre 1878 die Beschickung der inParis tagenden Münzkonferenz, welche über Massregeln zur

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Hebung des Silberwertes beriet, ablehnte, und dass sie sich vomReichstag noch durch ein Gesetz vom 30. März 1879 einenneuen Kredit, von 25 Mill. M. zur Durchführung der Münz-reform bewilligen Hess. Um so mehr war alle Welt über-rascht, als man im Mai 1879 erfuhr, fürst Bismarck habe dieEinstellung der Silberverkäufe angeordnet, eine Nachricht, diesich sofort bestätigte. Bismarck motivierte diesen Schritt imReichstag damit, dass er die Verantwortlichkeit für die aus denSilberverkäufen entstehenden Verluste nicht mehr tragen wolle,und der damalige Reichsbankpräsident, Herr von Dechend, be-gründete die folgenschwere Massregel mit der Rücksiebt auf dendurch die deutschen Verkäufe gedrückten Silbermarkt. Alle Be-mühungen und Warnungen der Sachkundigen waren vergeblich;umsonst trat der frühere Staatsminister von Delbrück , welcherals Präsident des Reichskanzleramts die Reform des deutschenGeldwesens geleitet hatte, gegen die Einstellung der Silberverkäufein die Schranken, umsonst bot Ludwig Bamberger seine ganzeBeredsamkeit auf: der einzige Erfolg war, dass es zu einemheftigen Zusammenstoss mit dem Kanzler kam, der hartnäckigauf seinem Willen beharrte.

Damals waren nach den verlässlichsten Schätzungen noch etwa450Mill. M. in Thalern im Umlauf, neben 420 Mill.M. in Reichssilber-münzen; das war ein Übermass von Silbergeld, welches die Bedürf-nisse des Verkehrs weit überstieg und sich deshalb, trotz aller Ver-suche es los zu werden, stets wieder in den Kassen der Reichsbankansammelte, deren Metallvorrat sich infolgedessen zu Beginn der80er Jahre zu nicht ganz zwei Eünfteln aus Gold und zu mehr als dreiFünfteln aus Silber zusammensetzte, ein reiner Hohn auf die be-stehendeGoldwährung". Aber trotzdem dieser Missstand schwerfühlbar war und namentlich die Diskontpolitik der Reichsbank starkbeeinträchtigte, kam es nicht zu einer Aufhebung der Mass-regel, welche die deutsche Münzreform zu einem unbefriedigendenStückwerk machte; nur dass bei Gelegenheit ein Rest von Silber-barren, der durch eine kleine Einschmelzung von Thalerstückenergänzt wurde, an die ägyptische Regierung verkauft, und dass