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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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und durch die Herausgabe von Scheidemünzen gegen ihre Notenund gegen Goldgeld erfüllt, muss vor allem auch bei der Ab-messung des zukünftigen Silberumlaufs darauf Bedacht ge-nommen werden, dass der Reichsbank ein für diese Zwecke ge-nügender Bestand an Silbermünzen verbleibt.

In Artikel IV Abs. 1 des Münzgesetzes ist die Ausgabe vonReichssilbermünzerj auf einen Höchstbetrag von 10 M. pro Kopfder Reichsbevölkerungbis auf weiteres" beschränkt. Man warsich bei der Aufnahme dieser Bestimmung in das Münzgesetzdarüber klar, dass sich mangels aller Erfahrungen hier eine end-giltige Bestimmung nicht treffen lasse. In der That hätte sich,wenn die Thaier vollständig eingezogen und verkauft wordenwären, bald herausgestellt, dass der Maximalbetrag des Münz-gesetzes zu niedrig gegriffen war. Inzwischen ist durch denwachsenden Wohlstand auch der unteren Klassen der Bedarfdes Verkehrs an Silbergeld stark gewachsen. Die allzuknappeBeschränkung der Prägung von Reichssilbermünzen hat sich nurdeshalb nicht störend fühlbar gemacht, weil ein grosser Teil derThaler gleichfalls die Funktion von Scheidemünzen erfüllt. Wennman nun aber die Thaler endgiltig beseitigen will, so ist es einunbedingtes Erfordernis, dass man gleichzeitig den Höchstbetragder Reichssilbermünzen in einem den Bedürfnissen des Geld-verkelirs entsprechenden Umfang erhöht.

Für die Abschätzung der Höhe des Bedarfs an Silbergeldsind wir heute in einer glücklicheren Lage, als es die Verfasserdes Münzgesetzes waren. Da seit mehr als zwei Jahrzehntendem Verkehr keinerlei Silbergeld künstlich aufgenötigt wordenist und ihm andererseits so viel Silbergeld, als er irgend nötig

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hatte, aus den überreichen Vorräten der Reichsbank zur Ver-fügung stand, darf man wohl annehmen, dass der Betrag desim freien Umlauf befindlichen Silbers sich mit dem Bedarf desVerkehrs annähernd deckt. Nun betrug am 31. August dieses Jahresder noch vorhandene Thalerbestand nach offizieller Schätzungetwa 360 Mill. M., die Nettoprägungen von Reiehssilbermünzenerreichten gleichzeitig einen Betrag von 515 Mill. M.; der ge-samte Bestand an Silbergeld bezifferte sich mithin auf 875 Mill. M.Davon lag in der Reichsbank ein Betrag, der ungefähr auf

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250 Mill. M. geschätzt werden kann, der aber freilich in früherenJahren, welche einen geringeren Geldbedarf aufwiesen, nicht