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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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Gesichtspunkten aus sind überhaupt Einwände gegen den Ent-wurf möglich.

Der erste Einwand könnte davon ausgehen, dass die be-stehenden Verhältnisse bereits so gute sind, dass es sich garnicht lohne, sie verbessern zu wollen. Ich stehe nicht an zubekennen, dass ich selbst vor mehreren Jahren, als die Reichs-bank einen beträchtlich höheren Goldbestand hatte, den Thaler-rest für einen blossen Schönheitsfehler hielt. Aber trotzdemwürde ich gegen eine kosten- und schmerzlose Beseitigung diesesSchönheitsfehlers niemals etwas eingewendet haben. Nachdeminzwischen die letzten Jahre die Bedenken, welche sich ausunserer hinkenden Währung ergaben, wieder stärker habenhervortreten lassen, wird wohl kaum jemand die bestehendenVerhältnisse für so ausgezeichnet ansehen, dass sie einer Ver-besserung unfähig wären, es sei denn, dass sich die Bimetallisten,bei welchen es ja auf einen logischen Salto Mortale schon längstnicht mehr ankommt, zu der Ansicht bekehrten, dass die vonihnen stets über Gebühr übertriebenen Bedenken der hinkendenWährung ebensoviele Vorzüge gegenüber der reinen Goldwährung

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seien.

Der zweite Einwand, der mehr Berechtigung hat, könntesich auf die grosse ünterwertigkeit der Reichssilbermünzen stützen.850 MDL M. an Silbergeld, das um ca. 60°/,, unterfertig ist,das ist wirklich ein Gedanke, gegen welchen sich das Gefühlauflehnt, und gewiss würde man niemals mit Absicht und Vor-bedacht einen solchen Zustand schaffen. Aber hier handelt essich nicht darum, einen so stark unterwertigen Silberumlauf erst insLeben zu rufen; 515 Mill. M. Reichssilbermünzen sind bereitsvorhanden, und die 360 Mill. Vi. umlaufender Thaler sind zwarnicht 60°/ 0 j a °er doch 55°/ 0 unterwertig ein Unterschied, deran sich überhaupt nicht in Betracht kommt, der ferner reichlichaufgewogen wird, durch die Verminderung des umlaufendenSilbergeldes im ganzen und durch die Einlösbarkeit der Reichs-silbermünzen gegen Gold, auf welche die jetzt kursierendenThaler keinen Anspruch haben. Die Gefahr der echten Nach-prägung, welche stets gegen stark unwertige Silbermünzen an-geführt worden ist, für die sich aber bisher keine Belege ge-funden hal.ien, trifft für den von der Münznovelle angestrebtenEndzustand nicht mehr zu, als für die gegenwärtigen Ver-