Druckschrift 
Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

240

hältnisse. Die Gefahr einer Massenpräsentation zur Einlösungin kritischen Zeiten, welcher das Reich nicht genügen könnteund aus welcher deshalb ein Goldagio entstehen müsste, bestehtüberhaupt nur bei einem Überma'ss von Silbermünzen, die derVerkehr nicht benötigt; denn was der Verkehr an Silber-geld bedarf, das kann er nicht zur Einlösung vorlegen. DieseGefahr wird also, wenn sie überhaupt besteht, durch die ge-plante Verringerung unseres Silberumlaufs wesentlich vermindert.

Der dritte Einwand schliesslich ist die jetzt von agrarischerSeite empfohlenePolitik des Abwartens". Und was sollenwir abwarten, ehe wir an die endgiltige Regelung unserer Geld-verhältnisse gehen? Unglaublich, aber wahr: den Sieg desBimetallismus. Die ganze Welt hat aus dem völligen Schiff-bruch des bimetallistischen Gedankens die Konsequenzen gezogen.Ehemalige Silberländer, Avie Indien, bereiten die Einführung derGoldwährung vor; und dem deutschen Reich wagt man es an-zusinnen, es solle seine Thaler und mit ihnen alle gerade vonbimetallistischer Seite so scharf betonten Nachteile der hinkenden"Währung säuberlich konservieren, bis sich die Doppelwährungdie Welt erobert hat. Man könnte fast auf den Gedankenkommen, diese Leute wollten künstlich eine Wunde der deutschenGeldverfassung offen halten, nur um daraus Stoff für ihre Agitationziehen zu können.

Hoffentlich wird die Entscheidung über die Münznovelle vonsolchen Hintergedanken nicht beeinflusst. Wenn sich die gesetz-gebenden Körper des Reiches ihrer Aufgaben bewusst sind, dannwird es den erbitterten Gegnern der Goldwährung nicht gelingen,,den Streit um die Währung bei dieser Gelegenheit wieder zuentfachen. In reiflicher Erwägung der Sachlage werden auchdie Anhänger des bimetallistischen Systems nicht umhin können,,in den Vorschlägen der Münznovelle eine Verbesserung des be-stehenden Zustandes zu erkennen. Ich möchte den Doppel-währungsfreunden einen Doppelwährungsfreund als Beispielempfehlen, der freilich gleichzeitig Manchestermann war, nämlichden längst verstorbenen Nationalökonomen und Reichstags-abgeordneten Prince-Smith . Obwohl er sich stets zu dembimetallistischen System Wolowskys bekannte und, solange esZeit war, für die Reform des deutschen Münzwesens auf Grund-lage der Doppelwährung eintrat, hat er sich durch die Ent-