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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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vor einem solchen verwegenen Eingriff ernstlich warnte. In derThat ist dieses in der Währungsfrage entscheidende Experimentnicht zustande gekommen. Dagegen hat in den letzten Jahrendie von der Gesetzgebung unberührte Gestaltung der Dinge wenig-stens einen teilweisen Ersatz geliefert: die gewaltige Steigerungder Produktion desjenigen Metalles, welches in der zweiten Hälfteunsres zur Neige gehenden Jahrhunderts das alleinige Währungs-geld in den meisten und wichtigsten Kulturstaaten geworden ist-Noch vor anderthalb" Jahrzehnten war bekanntlich die Meinungweit verbreitet, dass die Goldgewinnung aus natürlichen Gründeneinem allmählichen Versiegen entgegengehe eine Meinung, diebekanntlich durch den Wiener Geologen Süss die Weihe derWissenschaftlichkeit erhalten hat. Die Thatsachen schienen dieseAuffassung zu bestätigen. Der enorme Reichtum der kalifor-nischen und australischen Goldfelder, welcher die Goldproduktionder fünfziger und sechziger Jahre nach damaligen Begriffen un-erhörte Summen erreichen Hess, war zu leicht zu gewinnen,als dass er nicht rasch hätte erschöpft sein sollen. Mit dem Be-ginn der 70 er Jahre zeigte die Goldgewinnung eine merkliche,wenn auch nicht ununterbrochene Abnahme und sie erreichte imJahre 1883 ihren tiefsten Punkt mit 148 000 kg, gegen nahezu200 000 kg im jährlichen Durchschnitt der Periode 185170. Undgerade damals hatte ein bekannter bimetallistischer Unglücks-prophet das Unglück zu verkündigen, dieser Rückgang der Gold-gewinnung sei nur ein kleiner Anfang, man stehe immer nochmitten in jener wunderbaren Periode, die nicht andauern könne.Inzwischen sind 16 Jahre vergangen; aber anstatt weiter zu sinken,ist die Goldproduktion seit jener Zeit ununterbrochen gestiegen;sie hat in den letzten Jahren eine Höhe erreicht, die nicht nuralles bisher dagewesene, sondern auch die kühnsten Phantasienweit hinter sich lässt. Sie hat sich im verllossenen Jahre nachden neuesten Schätzungen auf etwa 435 000 kg belaufen, aufmehr als das Doppelte der durchschnittlichen Produktion derkalifornischen Periode, und auf das Dreifache der Produktion desJahres 1883.

Dabei ist wohl zu beachten, dass dieser gewaltige Auf-schwung der Golderzeugung nicht wie in den 50er Jahrenausschliesslich auf der Entdeckung zwar reicher aber leicht er-schöpfbarer Goldfelder beruht, sondern zu einem guten Teil auf

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