Druckschrift 
Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

244

technischen Fortschritten, welche auch in den bisher bekanntenGebieten eine bessere und gründlichere Ausnutzung möglichmachen, und damit eine Ausdehnung des Goldbergbaues aufbisher unrentable Lagerstätten, die Wiederaufnahme des Betriebsin bereits aufgegebenen Bergwerken, ja selbst die Aufarbeitungvon Rückständen aus der Produktion früherer Zeiten. Derweitaus grösste Teil des Goldes wird heute im Gangbergbau ge-wonnen, während früher die rasch erschöpfbaren Schwemmlandeden Ausschlag gaben. Durch diese Entwickelung ist die Gold-produktion auf eine solidere Grundlage gestellt und ihr eine ge-wisse Dauer gesichert.

Wir wollen uns jedoch nicht in Vermutungen über die Zu-kunft verlieren, sondern uns lediglich mit den Thatsachen be-schäftigen, die bereits vorliegen; denn diese Thatsachen sind ansich schon gewichtig genug. Vom Beginn des Jahres 1890 an

o o o o o

bis zu diesem Augenblick sind nach den neuesten Schätzungenfür etwa 8,2 Milliarden M. Gold produziert worden, gegen nichtganz 4,5 Milliarden M. in dem vorhergehenden Jahrzehnt. Dermonetäre Goldvorrat der ganzen Welt belief sich, soweit manden Schätzungen vertrauen darf, beim Beginn des Jahres 1890auf etwa 15 Milliarden M. Rechnet man von den seither ge-wonnenen 8,2 Milliarden M. für den industriellen Verbrauch250 Mill. M. pro Jahr ab, was recht hoch gegriffen ist, so bliebenfür Geldzwecke verfügbar 5,7 Milliarden M. Demnach wäre mitBeginn des Jahres 1890 der monetäre Goldbestand der AA r elt von15 auf mehr als 20 1 /,MilliardenM. vermehrt worden, urn nahezu 40%!Schon jetzt kann man also von einer beträchtlichen Vermehrungdes von den wichtigsten Nationen angenommenen Geldstoll'essprechen. Aus der Betrachtung und Untersuchung der Wirkungen,welche sich daraus ergeben haben, dürfen wir wertvolle Ergebnissefür die Erkenntnis des Geldwesens erwarten.

II.

Die abstrakte Theorie hat in unsrer Wissenschaft hingeZeit ausschliesslich geherrscht, und die Nachwirkungen sind heutenoch auf den Gebieten zu verspüren, mit welchen sich die neuerehistorische Richtung bisher weniger beschäftigt hat. Das giltnamentlich für das Gebiet des Geldwesens, das heute noch über-wiegend als eine Summe verwickelter theoretischer Probleme be-