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Wir sehen also auf die kurze Zeit des letzten Jahrzehntszusammengedrängt eine sehr erhebliche Änderung der inter-nationalen Geldverfassung, die sich sehr wohl mit der durch daskalifornische Gold bewirkten Umwälzung vergleichen lässt.Österreich-Ungarn, Russland, Japan , Indien und eine Anzahlkleinerer Wirtschaftsgebiete haben das Geld des Weltverkehrsangenommen, dessen Gebiet dadurch fast mit einem Schlag eineErweiterung erfahren hat, an welche noch vor zehn Jahren niemandauch nur zu denken gewagt hätte. Die Idee einer universellen Gold-währung, welche auf der grossen Pariser Münzkonferenz von 1867 auf-tauchte, war allgemein als gänzlich utopistisch preisgegeben, dieTeilung der Welt in Gold- und Silberwährungsländer schien un-abänderlich. Ohne die gewaltige Steigerung der Goldproduktionwäre der grosse Fortschritt, der in den letzten Jahren in derPachtung auf eine universelle Währungsgleichheit gemacht wordenist, unmöglich gewesen, während andrerseits für die ausserhalbder Goldwährung stellenden Länder die innere Nötigung, ihreValuten an das Geld des Weltverkehrs anzuschliessen, so starkwar, dass die Steigerung der Goldproduktion diese Entwickelungder internationalen Währungsverhältnisse notwendigerweise aus-lösen musste.
Niemand wäre mehr verpflichtet, diesen durch die gesteigerteGoldgewinnung bewirkten Portschritt anzuerkennen, als — dieBimetallisten. Waren sie es doch, welche die für die Goldwährungs-länder nachteiligen Wirkungen der sogenannten Valutadifferenzenstark übertrieben haben, welche die gesamte europäische Volks-wirtschaft in ihrem Gedeihen durch das indische und japanischeSilbergeld und durch den russischen Papierrubel auf das schwerstebedroht glaubten. Aber auch diejenigen, welche der sicherlichbesser begründeten Meinung sind, dass Valutaschwankungenbeide Teile schädigen, und zwar am stärksten den währungs-politisch isolierten und allgemein-wirtschaftlich am schwächstenentwickelten Teil, — auch diese werden die Bedeutung derneuesten Entwickelung der internationalen Geldverfassung nichtzu gering veranschlagen können; denn darüber, dass mit denbisherigen Valutaschwankungen gegenüber so wichtigen Wirtschafts-gebieten, wie Russland, Österreich, Japan und Indien, ein störendesHindernis des Weltverkehrs beseitigt ist, darüber kann es keineMeinungsverschiedenheit geben. .