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Durch die bisher gewonnenen Ergebnisse werden die Voraus-setzungen für den Fortgang unserer Untersuchung wesentlich ver-schoben. Wenn die Geldmenge überhaupt vom Einfluss auf denGeldwert ist, so hätte die in den letzten 10 Jahren erfolgte Ver-mehrung des monetären Goldbestandes der Welt anders wirkenmüssen, wenn der Gebrauch von Goldgeld im wesentlichen aufsein bisheriges Gebiet beschränkt geblieben wäre, als jetzt, wodieses Gebiet eine erhebliche Erweiterung erfahren hat. Zunächstentsteht deshalb die Aufgabe, die Goldmeiigon abzuschätzen, welchevon denjenigen Ländern, die in den letzten Jahren den Übergangzur Goldwährung vorbereitet oder durchgeführt haben, in An-spruch genommen worden sind.
Eine solche Berechnung, deren Einzelheiten ich hier nichtvorführen will, ergiebt folgendes:
In der Zeit vom Beginn des Jahres 1890 bis zum Schlussdes Jahres 189? hat Russland zur Durchführung seiner Münzreformteils aus seiner eignen Produktion, teils aus dem Ausland eineGoldmenge im Werte von etwa 2 Milliarden M. an sich gezogen.Die Vermehrung, welche der Goldbestand der österreichisch-ungarischen Monarchie in derselben Zeit erfuhr, beläuft sich aufetwas mehr als 700 Mill. M. Indien und Ostasien haben gleich-zeitig eine Goldmenge im Werte von 200 Mill. M. absorbiert.Alles in allem sind das in dieser achtjährigen Periode 2,9 bis3 Milliarden M., während sich die gleichzeitige Goldgewinnungauf 5,8 bis 5,9 Milliarden M. belief. Von der Neuproduktionblieben also nach Abzug des Bedarfs der mit der Reform ihrer Geld-verfassung beschäftigten Länder verfügbar etwa, 2,9 Milliarden M.,von welchen nahezu 2 Milliarden M. für industrielle Zweckeverbraucht worden sein dürfte. Von den 5,8 bis 5,9 Milliarden M.neuen Goldes blieb also für die monetären Zwecke der altenGoldwährungsländer noch nicht ganz eine Milliarde M. verfügbar.In den zwei Jahren 1898 und 1899 haben sich die Verhältnisseinsofern günstiger gestaltet, als die Geldbeschaffungen zu Reform-zwecken zum grössten Teil erledigt waren. Aber jetzt waren esdie Vereinigten Staaten , die zur Stärkung ihrer durch die ver-fehlten Silbergesetze von 1878 und 1890 an den Rand des Zu-sammenbruchs gebrachten Geldverfassung grosse Mengen Gold an