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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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dass derEinfluss des Geldes sowohl auf die Bewegung der Preise,als auch auf die Schwankungen der Diskontsätze nur ein ge-ringer ist, der in seiner Äusserung von der Einwirkung der all-gemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse förmlich erdrückt wird;dass der Wert des Geldes, mit dem so viel missbräuchlichoperiert wird, nichts ist, als eine irreale Grösse, der keinekonkrete Erscheinung entspricht, welche vielmehr wenigstensbei metallischen Währungen in der Bewegung der Preise undLöhne und der Diskontsätze nur modifizierend und deshalb latent,kaum jemals entscheidend und deshalb greifbar zum Ausdruckkommt.

Dem entspricht es, dass wir hinsichtlich des Einflusses,welchen die gesteigerte Goldproduktion mit ihren währungs-politischen Nebenwirkungen auf den Geldwert ausgeübt hat, zulediglich negativen Ergebnissen gekommen sind: wir können nurfeststellen, dass die hohen Diskontsätze der letzten Jahre ebensowenig für eine Steigerung, wie die steigenden Warenpreise füreine Verringerung des Geldwortes beweisen, und dass die Theorieder Geldwertschwankungen auf Grund der thatsächlichen Ent-

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wickelung einer Revision bedarf.

Als einzige greifbare Wirkung der gesteigerten Goldproduktionbleibt diejenige, an welcher der reine Theoretiker leicht vorbei-sieht, weil sie keine Beziehung zu dem verlockenden Wertproblemhat, sondern lediglich entwickelungsgeschichtlichor Natur ist.Diese Wirkung besteht in der gewaltigen Ausdehnung der Gold-valuta über Gebiete mit bisher isolierten Geldsystemen, und siestellt einen erheblichen Fortschritt zur universellen Währungs-gleichheit dar. So wenig, wie die praktisch-kommerzielle Tragweitedieser Wirkung, darf man ihre wissenschaftliche Bedeutung unter-schätzen. Sie wirft ihr Licht nach rückwärts auf die währungspolitischeEntwickelung eines ganzen Jahrhunderts und zerstört, indem siedie treibenden Kräfte beleuchtet, die einst weitverbreitete Auf-fassung, dass menschliche Willkür und verblendeter Doktrinismusdas Geldwesen in falsche Bahnen gelenkt und in der Goldwährungnicht als einen unhaltbaren Zustand vorübergehender Unordnunggeschaffen habe.