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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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bedarfs, soweit sie an die Reichsbank herantreten, in der letztenZeit innerhalb der einzelnen Jahre etwa 600 Mill. M., das sindetwa 15°/ 0 des deutschen Geldvorrates, betragen haben. In An-betracht dieses Verhältnisses kann mansag'en, dass die Schwankungender Nachfrage nach Zahlungsmitteln verbunden mit derjenigender Rentabilität des Kapitals, welche ihrerseits abhängig sind vondem Wechsel der grossen wirtschaftlichen Conjunkturen, aus-schlaggebend sind für die Gestaltung des Diskontos und dassVeränderungen im Angebot metallischer Zahlungsmittel nurmodifizierend einwirken. Kein metallisches Geldsystem, derBimetallismus so wenig wie die Goldwährung, ist im stände, diesich aus den Fluktuationen des Wirtschaftslebens ergebenden Ein-wirkungen auf die Diskontsätze jeweils durch eine Anpassung desneuen Angebots von Metallgeld auszugleichen, und kein Währungs-system vermöchte die im Wesen unsrer Volkswirtschaft wurzelndenZusammenhänge aufzulösen und ein Zusammentreffen steigenderWarenpreise mit niedrigen Diskontsätzen zu sichern. Was hiergeschehen kann, liegt auf einem andern Gebiet, auf dem Gebietdes Bankwesens. Freilich kann auch die mächtigste Notenbanknicht das Unmögliche möglich machen und einen gewaltigsteigenden Bedarf nach Zahlungsmitteln ohne eine entsprechendeErhöhung der Diskontsätze befriedigen, und deshalb werden dieGegner unsrer Währungsverfassung stets Gelegenheit haben, sichentweder über schlechte Zeiten und sinkende Preise, oder überhohe Diskontsätze zu beklagen. Zur Zeit sind es die hohenDiskontsätze, welche die Untauglichkeit und Unhaltbarkeit derGoldwährung beweisen sollen, und das lange ausser Kurs gesetzteSchlagwort von dem Zerren an der zu kurzen Golddeck«! istwieder zu hohen Ehren gekommen. In nicht allzuferner Zeit,sind es vielleicht wieder die sinkenden Preise, mit welchen maudie Goldknappheit darthut. Man könnte diese Beweise parieren,indem man jeweils bei sinkenden Preisen den niedrigen Diskont,bei hohem Diskont die steigenden Preise als Beweis gegen die;Geldwertsteigerung vorführte.

Der Nutzen, welcher aus einem solchen Chassez-Croissez zuerwarten steht, ist natürlich gleich Null. Der ferner stehendewird nur verwirrt und sagt schliesslich mit den bekannten Worteneines preussischen Königs:Die verfluchten Kerle haben alle beidePecht." Deshalb ist es wichtig, sich darüber klar zu werden,