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die gewohnt waren, den harmonischen Zustand der Welt lediglichnach dem Saldo zu bemessen, so überraschend und neu, dass siesich nicht anders zu helfen wissen, als dass sie den Darleger für,weil „von Haus aus dürftig“, „befangen“, für „verliebt“ und seineAuffassung für „poetisch“ erklären.
Als Disraeli seine „Sybil“ schrieb, — nicht nur seine beste,sondern in der That eine sehr vortreffliche, selbst von Bright be-wunderte literarische Leistung, — schickte er die Bemerkung voraus,dass er, wo er von der Lage und von dem Charakter der Arbeiter-klasse spreche, in seinen Schilderungen hinter der Wirklichkeit zurück-bleibe: denn das Publikum, für das er schreibe, sei so sehr an einevon der Wirklichkeit völlig verschiedene Auffassung gewöhnt undkenne so wenig das Leben und Treiben der Arbeiterbevölkerung,dass er, wenn er die volle Wahrheit sagen würde, sich dem Vor-wurf aussetze, er übertreibe. Für einen Roman, gegen den manohnedies eher den Verdacht der Uebertreibung als der Genauigkeithegt, war dies die richtige Taktik. Allein eine andere ist die Auf-gabe des wissenschaftlichen Arbeiters, und da ich mit peinlicherGewissenhaftigkeit für jede einzelne meiner Angaben Beweise bei-brachte, hätte ich es wagen dürfen, überall die ungeschminkte Wahr-heit zu sagen; und wenn ich dies auch als Regel allenthalben that,so habe ich trotzdem an einzelnen Stellen die Darstellung zu Gun-sten der Unternehmer abgeschwächt. Allein dessen ungeachtetwar Herrn B. das in meinem Buche Gebotene so neu und störend,dass er den Inhalt des ihm unbequemen Buches nur meiner poetischenAuffassung zurechnen kann, und sobald er dieses ingeniöse Aus-kunftsmittel entdeckt, wiederholen die Organe seiner Partei, indemsie ihren Lesern von dem „Romane der englischen Gewerkvereine“oder von dem „phantasiereichen jungen Gelehrten“ erzählten,freudig: Land! Land! Aber Herr B. hat ja auch Belege fürmeine Befangenheit beigebracht, und kann ich auch das Urtheilüber diese Belege meiner Seelenschwärze den Lesern meines Buchesgetrost selbst überlassen, so liest doch nicht Jeder mein Buch. Esscheint deshalb nöthig, diese angeblichen Beweise noch besonders inihr Nichts aufzulösen. Denn da auch einflussreiche Organe, die indem gegenwärtigen Schulstreite bis jetzt zumeist Schweigen beob-achtet haben, nunmehr mit wehmüthig gefärbtem Seufzer beklagen,dass Herr Brentano in seinen Arbeiten über die englischen Gewerk-vereine so wenig unbefangen gewesen sei, scheint es dringend noth-