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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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zügliche Ausführung:Der Ruf nach Trennung der Cassen kommtnicht von betrogenen Mitgliedern, die sich gegen die Gewerkvereinein ihrer Eigenschaft als Versicherungsgenossenschaften beklagen, son-dern von ihren gewerblichen Gegnern, welche sie als Gewerkvereinefürchten. In der That, der Vorschlag erscheint uns in jedwelcherForm nur als ein indirectes Mittel, die Gewerkvereine zu verkrüppeln,und als solcher ist er ein Vorschlag, von dem wir aufs Emphatischstedissentiren müssen. Endlich 3) sagt Herr B., der Vorschlag derGewerkvereinsmehrheit sei in dem Gewerkvereinsgesetz von 1871alszu complicirt fallen gelassen. Dies ist nun völlig erdichtet. JenerVorschlag ist in dem Gesetz von 1871 fallen gelassen, weil dasselbeüberhaupt nicht auf Grund des Mehrheits-, sondern des Minderheits-berichtes erlassen wurde, und weil die englischen Gewerkvereine er-klärten, lieber als ein Gesetz, das Trennung der Cassen anordne,wollten sie gar kein Gesetz; sie hätten so lange ohne dessen Privi-legien existirt, dass sie, lieber als wegen derselben tödtlich geschädigtzu werden, derselben auch noch weiter entbehrten. Und in der That,sie hatten ganz Recht. Die abweichende Einrichtung der Hirsch-Dunckerschen Vereine kann als Gegenargument nicht gelten. Siewerden lediglich auf Grund theoretischer Anschauungen getroffen,und diese Gewerkvereine bestehen zu kurz, als dass von einer Er-probung jener Einrichtung durch die Erfahrung die Rede sein könnte.Wir müssen abwarten, ob in diesen Gewerkvereinen, wenn sie zu derBlüthe der englischen gelangt sein werden, das Princip der Cassen-trennung noch besteht.

Dies sind die Angriffe, die Herr B. gelegentlich der Cassenfragegegen mich richtet, Angriffe, die ihren Höhepunkt in einer höhnen-den Tirade (S. 200) gegen mein Werk als das Corpus Juris undgegen mich als den Justinian der Arbeiterrechte finden. Nach derBeleuchtung, die ich diesen Angriffen soeben zu Theil werden liess,bedarf ich keines Wortes mehr , um auf diese Schmähungen zu er-widern. Ich registrire sie nur als charakteristisch und wende michzur weiteren Betrachtung von Herrn B.sKritik meines Systems.

Das garize System, urtheilt Herr Bamberger (S. 62) übermeine Arbeiten,oscillirt zwischen romantischer Hinneigung zu dentausend Rechtsabzirkelungen der alten Privilegiumsgenossenschaftenund dem Sturm und Drang nach durchgreifender Reorganisationder ganzen Gesellschaft im Styl der kühnsten Neuerer. Allein inWirklichkeit hat es weder mit jener romantischen Hinneigung noch