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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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ähnliche Bildungen bestehen. Gewiss muss (vgl. Arbeitergilden I. 90) dieNothwendigkeit solcher Bildungenaus den Bedürfnissen und Mög-lichkeiten von heute, nicht aus der lückenhaften Geschichte zurück-liegender Jahrhunderte begründet werden (Bamberger S. 45.) Undmit dieser Begründung aus den concreten Verhältnissen der Gegen-wart beschäftigt sich das erste Kapitel meines ersten Bandes undmein ganzer zweiter Band.

Ich meine nun: diese Behandlungsweise hat vomRomantischenebensowenig, wie vonHinneigungen an sich; sie ist nichts weiterals eine exacte wissenschaftliche Methode, die wie jedes wissenschaft-liche Verfahren voraussetzungslos und radikal an alle Erscheinungenherantritt, die auch Bildungen, welche mit dem Schlagwortroman-tisch verdammt zu werden pflegen, kühl und unbefangen als zu be-rücksichtigendes Material betrachtet, und auch davor nicht zurück-schreckt, wenn ihre Resultate modernen Vorurtheilen ins Gesichtschlagen. Wenn in Folge dieser Behandlungsweise auch Einrich-tungen der Vergangenheit, welche die, um mit Comte zu reden, nochim metaphysischen Stadium sich befindende politische Schule derfranzösischen Revolutionsära von abstracten Gesichtspunkten ausrücksichtslos verdammte, als den Verhältnissen ihrer Zeit entsprechendund somit für dieselbe berechtigt erscheinen, so ist dies keinVorwurf, sondern ein wissenschaftliches Verdienst. Mit Phrasen wieromantische Hinneigung zu den tausend Rechtsabzirkelungen deralten Privilegiumsgenossenschaften wird IlerrB. bei wissenschaft-lichen Männern dagegen nichts ausrichten.

Dies zur Wahrung meines allgemeinen Standpunktes gegenüberden Auslassungen des Herrn B. Die weiteren Ausstellungen des-selben an einzelnen meiner Bemerkungen, die er als meine ganzeArbeit charakterisirend hervorhebt, sind zusammenhangslos. Esbleibt mir sonach nur übrig, sie in der Reihenfolge, in der er sievorbringt, zu beleuchten. Eine Ausnahme mache ich nur mit dem,was er über meine Staatsauffassung sagt, worauf ich später zurück-kommen werde.

1. Ohne viel Mühe lässt sich der Vorwurf beseitigen, man be-gegne bei mirdemillegitimen (!) Arbeiter, welcher nämlich nichtvorschriftsmässig gelernt habe (S. 160, Bd. I): denn ich detaillirean der bezeichneten Stelle lediglich die von einem Gewerkvereinebefolgte gewerbliche Politik, wobei ich mich jeglichen Urtheils über

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