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in einer trefflichen Rede als die Aufgabe der Erziehung bezeichnet,die Menschen zur Erkenntniss der Naturgesetze zu führen, um einediesen Gesetzen entsprechende Regelung des Lebens zu ermöglichen.Und dieselbe Bedeutung wie die Erkenntniss der Naturgesetze imAllgemeinen für das allgemeine Verhalten der Menschen hat im Be-sondern die Erkenntniss der wirthschaftlichen Gesetze für das Ver-halten im wirthschaftlichen Leben.
Allein während in Folge der Erkenntniss der Gesetze der physi-schen Natur heutzutage jeder Kluge sein Haus durch einen Blitzab-leiter zu schützen sucht, befinden sich die Gegner jeglichen berech-neten Eingreifens in das Wirthschaftsleben noch auf dem Standpunktdes Wilden, der, wenn der Blitz seine Hütte in Brand steckt, sichniederwirft»und den Donnergott anbetet: nur heisst der Donnergotthier Naturgesetz. Mit dem Aussprechen dieses Wortes glauben sienämlich ihre ganze Aufgabe im social - politischen Leben erfüllt.Schlägt der Blitz irgendwo ein, d. h. tritt eine öconomische Kata-strophe ein, werden so und so viel Häuser bankerott, so und so vielArbeiter brodlos, sinkt der Lohn unter das Maass, das dem Arbeiter-stamm das Fortbestehen ermöglicht, oder entwickeln sich aus be-stehenden ökonomisch-politischen Verhältnissen gar revolutionäre undreactionäre Bewegungen, so ist das Höchste, wozu sie sich versteigen,dass sie die Ursache untersuchen, das Resultat in eine wissenschaft-liche Formel bringen, z. B. sagen: Das Angebot überstieg die Nach-frage, oder umgekehrt, und dann beruhigen sie sich selbstzufriedenmit dem Bewusstsein dieser Erkenntniss. Aber warum musste derBlitzstrahl die Ilütte in Brand stecken? Warum musste das An-gebot die Nachfrage übersteigen? Dass durch die Beseitigung derUrsachen die Naturnothwendigkeit des Eintretens der Wirkungenaufhört, will Keinem in den Kopf, ebensowenig wie die Wahrheit,dass man bei unabänderlich gegebenen Ursachen durch der Erkennt-niss der Naturgesetze entsprechendes berechnetes Eingreifen dahingelangen kann, dieselben Wirkungen herbeizuführen, wie die sichselbst überlassene Natur, allein ohne die Grausamkeit, Verschwen-dung und Zerstörung, welche deren Eingreifen begleiten. Und wäh-rend in der praktischen Medizin der Standpunkt der Prager undWiener Schule, welche aus Verzweiflung an der Möglichkeit des ge-deihlichen berechneten Eingreifens sich zu einem medizinischen laissez-aller bekannte, längst überwunden ist, sträuben sich die deutschenFreihändler, wenn auch nicht mehr in Folge ihrer Anschauungen