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Friedrich Wilhelm III. aber fühlte sich neben den Kaisern von Nuß-land und Osterreich sehr als der Kleinere, und die angenehmenBeziehungen zu den mächtigen Verbündeten ließen ihn leicht ver-gessen, was sein Volk Großes dachte und vollführte. Er hat dasRecht seiner braven Krieger verkürzt, denen er nicht gestattete, inParis einzuziehen, weil ihre Unisorm von den Strapazen des Kriegesschmutzig war; er hat die Rückforderung der aus Preußen geraubtenKunstwerke, wie der aus Hamburg geraubten Bankbestände nurschwächlich oder gar nicht vertreten, hat geduldet, daß deutscheBürger uud Bauern von den in die Heimat zurückmarschierendenRussen in empörender Weise ausgeplündert und mißhandelt wurden,und hat weuig Wochen nach Waterloo denen das Ohr geliehen, diebei ihm die besten Männer, die Führer des bei Leipzig und Waterloosiegenden Geistes, verleumdeten. Mag man das eine oder andereentschuldigen, im ganzen giebt die Reihe dieser uud ähnlicher That-sachen den Beweis, daß der Einflnß der Höflinge und höfischenStaatsmänner bei Preußens König stieg, sobald die Gesahr kleinerwurde.
Bei den Friedensschlüssen mit Frankreich wurden dann dienationalen Forderungen der Deutschen einfach unberücksichtigt ge-lassen: nicht bloß, waS Ludwig XIV. von unseren Grenzen ab'gerissen hatte, auch viele Gebiete, die noch bis zur sranzösischenRevolution dem deutschen Reiche angehörten, blieben bei Frank-reich, und bei deu Verhaudluugeu auf dem Wiener Kongreß gingunter dem Gezänk über die gegenseitigen Ansprüche fast schon alleErinnerung an die patriotischen Wendungen verloren, mit denenim Frühjahr 1813 das Volk zu den Waffen gerusen worden war.Der Männer, die wie Gneisenau, Arndt und Schleiermacher dachten,bemächtigte sich eine trostlose Stimmung. Es bleibt alles beimalten, es kehrt die elende Form des Staatslebens wieder, in derdie Völker nnr ein Besitz sind, nur eiu Haudelsobjckt iu derHand der Fürsten uud Diplomaten — das waren ihre Gespräche,ihre Klagen, und noch sast dreißig Jahre später ergoß sichE. M. Arudt in deu bittersten Worten über die damalige Haltungund das „starre hilflose tote Wesen" der deutschen Fürsten undFürstenräte.