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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Der Rheinische Merkur über die Friedensschlüsse.

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entfernen nnd gewisse Anstalten zu beseitigen, so gewinnt der Satzerst seinen rechten Sinn: er ist doch maßvoll gedacht und konnteauch von den Lesern des Merkur nur maßvoll verstanden werden.Nachdem dann der Wiener Kongreß und der zweite Pariser Friededoch wieder die Hoffmingen enttäuscht hatten, erhob sich Gvrresim Merkur zu eiuer vernichtenden Abweisung eines sophistischenArtikels desÖsterreichischen Beobachters", in dem Metternich dieBeschlüsse rechtfertigen nnd zugleich die Patrioten, die mehr gc-sordert hatten, als Revolutionäre hatte vcrdächtigeu lassen. Erschloß:

Fort alsv mit all dieser Politischen Schönfärberei, . . . Die Nation. . .wird in Hoffnung besserer Zeiten nnd im Vertrauen auf Gott ihr aber-maliges Unglück zu trageu wissen. Sie ist ganz nnd einstimmig dcS SinneSgewesen, der hier als leidenschaftlicher Übermut getadelt worden: das wissendie Minister, sonst durften sie ja nur die Stimmen, die öffentlich ün Namenaller gesprochen, und die hier znrecht gewiesen werden, als hätten sie es aussich geredet, znm Stillschweigen bringen, um dcS Beifalls aller gewiß zu sein.

Im Vertrauen ans Gott und bessere Zeit solle die Nationihr Unglück tragen das war eine würdige Mahnung, aber wiedie Menschen einmal sind, mußten sich die einen im Zorn erregen,die anderen in dumpfer Verbitterung oder Ermüdung abkehren vonallem, was Vaterland und Verfassnng betraf. Überdies war esja auch nicht nnr das Scheitern der Hoffnung auf einen ge-sunden deutscheu Staat, was so betrübte. In so großer Sachemochte sich der sromme Sinn der Zeit getrosten, daß Gottes Mühlenlangsam mahlen, und daß er allein die rechte Zeit und Stundekenne. Es waren auch viele einzelne Fragen, bei denen man be-stimmt eine bessere Lösung für erreichbar halten dnrfte. Vor allemurteilte man so über die NichtWiedergewinnung des Elsasses, über dieSchonung, die man den Franzosen nngedeihen ließ bei der Rück-forderung der geraubten Kunstschätze, vor allem aber in Sachen derHamburger Bank. Die Franzosen hatten über nenn Millionen Markaus der Hamburger Bauk weggenommen, aber als Hamburg bei denFriedensverhnndlungen nun den Ersatz forderte, da wurde die Stadtvon deu Verbündeten Regierungen völlig im Stich gelassen. Daswar ein Punkt, der sich mit Erwägungen großer Politik nicht ver-schleiern ließ, dagegen dnrfte man sich auch nicht in den Trost vom

Kaufmann, polit. Geschichte. 6