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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
Entstehung
Seite
82
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Reform und Restauration.

Rate Gottes flüchten, wenn man nicht einen Vorwaud suchte znrUuthätigkeit, nnd Tausende dachten so zornig wie Gorres, der imRheiilischen Merkur" folgende bittere Worte schrieb:

Die Könige bauten ihre Throne wieder und die Rechte der Legitimitätwurden sorgsam festgesetzt. Tcutschlnnd erwartete, mau werde mit denRechten dcS ThroucS auch Volks-, Staats- uud Kirchenrccht suchen, manwerde mit dein Glauben an die Dynastie auch den Glauben an Treue unddie Heiligkeit des öffentlich gewährten Besitzes wiederherstellen. Hamburg war Tentschland wert geworden, als Vvrstreitcrin auf dem Felde der Ehreund der Freiheit hatte die Stadt im Herzen des teutschen Volkes eine dank-bare Empfindung aufgeweckt. Tcutschland sah in der Hamburger Bank eineder Säulen ihres Wohlstandes, es war ein gemeinsam Gnt, an dem fernund nah viele teil genommen, alle waren in ihm beraubt und schnöde ge-schändet worden. Also betrachtete daS gesamte Volk die Rückgabe der Bankals eine Ehrenschuld, deren Bezahlung dem niedergeworfenen Feinde ab-gezwungen werden mußte. Der verdient nicht im Unglück Freuude zufinden und Helfer, der ihrer im Glücke nicht gedenkt. So war die all-gemeine Stimmung, uud die wurde vielfältig und laut ausgesprochen.

Danach berichtet er, wie in dem erstell Pariser Frieden nichtsfür Hamburg geschah, und dann nach der Rücklehr Napoleons unddem neuen Siege der Deutschen die Franzosen zwar schone Wortegaben, aber schließlich nur etwa ein Fünftel des geraubten Geldeszurückzahlen wollten, weil Hamburg von den verbündeten Regierungenwieder im Stich gelassen wurde. Das sei nicht ihre, das sei Ham-burgs Sache. Nach diesem Bericht bricht er in die Worte aus:Nimmer darf Deutschland dnlden, solange noch ein Funken Ehrein ihm wohnt, daß einem der Mitstände also mitgespielt werdeTeutsch land ist in allen Gliedmaßeu ein Leib geworden, so fühltsich das Volk." Aber er weiß, daß das deutsche Volk und seinWille keinen Einfluß auf seine Geschicke hat, und da sucht er inseiner Not Hilfe in einer Appellation an das englische Volk.

Dulde nicht, daß eine dir nahe gerückte Stadt von der höhnischen Gewaltsolch Unrecht erfahre. Du bist zur Zeit uoch das einzige Volk, das seinerRegierung gegenüber einen Willen hat, den diese achten mnß und nichtleicht zu versehreu wagt; welches auch die Fehler deiner Verfassung seinmögen, und wie drückend in vielen Fälleu auch die Ministerialaristokratiesein mag, dein Gcmeingeist ist die beste Verfassung, und die Mangelhaftigkeitdes Gesetzes wird durch die ernste Gewissenhaftigkeit ergänzt, womit es ge-halten wird.

Er verstärkt seine Bitte noch mit dem Hinweis, daß England auch