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Reform und Rcstcmratwn,
der Haß in diesen Kreisen der Junker nnd Bürenukraten und derNeid ewiger über die glänzende Laufbahn dieses „Ausländers"neidischen Offiziere jede Scham uud jede Vernunft ertötet hatten.
Nicht weniger grell trat das zu Tage in der Schmähschrift,welche der Geheimrat Schmalz, der erste Rektor der Berliner Uni-versität, wenige Wochen nach dem Siege bei Belle-Alliance ver-öffentlichte, um Stein, Schleiermacher , Perthes, Arndt und alle dieFührer in dem Kampfe der Begeisterung gegen Napoleons Über-macht als Verschwörer nnd Revolutionäre zn verdächtigen. Erbeschuldigte sie geheimer ^Verbindungen und pöbelhafter Schmüh-redeu gegen die Regierungen, und ihre Forderung, ein deutschesReich aufzurichten, nannte er tolle Deklamationen. „Wie vormalsdie Jakobiner die Menschheit, so spiegeln sie die Teutschheit vor,um uns der Eide vergessen zu machen, wodurch wir jeder seinemFürsten verwandt sind. Diese Menschen wollen durch Krieg derTeutschen gegen Teutsche Eintracht in Tentschland bringen, durchMord, Plünderung und Notzucht altteutsche Redlichkeit und Zuchtvermehren." Heute möchte das wie eine allgemeine Anklage klingen,aber damals verstand man wohl, auf wen das Wort zielte, nämlichzunächst auf den frommen Ernst Moritz Arndt und danu weiterauf den Freiherrn von Stein und seine Freunde. Arndt hatte imSpätsommer 1812 iu Petersburg, wohin ihn Stein als seinen litte-rarischen Gehilsen berufen hatte, den ergreifenden Katechismus fürden dentscheu Kriegs- und Wehrmann geschrieben, der zuerst 1812iu Petersburg gedruckt wurde, um unter die Krieger der deutschenLegion verteilt zu werden, dann 1813 in Königsberg und wieder1815, um den Kämpfern des Befreiungskrieges zu sagen, in welchemGeiste und Glauben sie die Waffeu führen und wessen sie sich inNot und Tod getrösten sollten. Mit besonderem Nachdruck undimmer anfs neue ermähnte Arndt die Soldaten, das Schwert nurgegen den bewaffneten Feind zu schwingen und die Wehrlosen zuschonen. Dieser Gedanke kehrt in dem Katechismus und in ver-wandten Schriften, die er 1814 und 15 schrieb, unter den mannig-faltigsten Formen wieder, denn Arndt hatte den Krieg in allen Ge-stalten gesehen, er wnszte, daß der Krieg „alle Gelüste und Triebezur Wildheit uud Bosheit reizt". Darum konnte er sich gar nicht