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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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«chnmlz, Tic Wirkung des PvrgangS.

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UM eine bessere Verfassung des von den Feinden befreiten Staates.Sein Zoru war der Zorn des Philisters, aber sreilich ein imhöchsten Maße bösartiger und zugleich im höchsten Grade wirk-samer, denn die Masse verlangte in diese Ruhe zurückzusiuken, undder König selbst dachte nicht anders.

Die Zeit der Helden war vorbei, die Zeit der Philister wargekommen. Gnter Bürger hieß, wer seinen Kohl baute uud sichnicht kümmerte um Volk und Vaterland; wer solche Sorgen nichtder Negieruug allein überlassen wollte, der wurde als Revolutionäransgeschrieen.

In den Briefen und Klagen der Vertreter des SteinschenGeistes haben wir zahlreiche Zeugnisse, wie schwer diese trübe Er-fahrung ans ihuen lastete, und sie wurde durch vieles audere ver-stärkt, besonders dadurch, daß der König damals lim Mai 1816)Gneisenans Eutlassung annahm. In tiefem Kummer klagte Clause-witz, wie im Lande das Vertrauen zur Regierung schwinde undim Auslande die Achtung vor dem Staate Preußen . Uud mansuhlte, daß es immer weiter gehe aus dieser bedeuklicheu Bahn.Noch wehrte sich Schmalz gegen die Ausfassung, daß er auch denGeist Scharnhorsts, und daß er den gewaltigen Stein habe an-greifen wollen, aber solch eiu Strom der Verleumdung läßt sichnicht in beliebigen Schranken halten und rasch verliert der Fanatis-mus auch den Rest der Scham. Was Schmalz auch sagen undwünschen mochte, thatsächlich wurde damals in Gueisenau Scharn-horsts Geist verfolgt, und nicht lange dauerte es, da forderten dieGenossen vou Schmalz auch die Verfolgung Steins. Seine Schriftbezeichnet den Anfang der Demagvgenhetze.

Gar mancher wackere Mann aus den Reihen der Reformer zogsich unter solchen Erfahrungen schon 1815 ganz zurück, mehrtevielleicht auch das Heer der Gleichgültigen und Klügler; die kräfti-geren und lebhafteren Geister aber nahmen den Kampf um soenergischer auf, uamentlich so lange sie in dem Rheinischen Merkureine glänzende nnd gesürchtete Vertretung ihrer Gedaukeu hatten.Görres leitete diese Zeitung, der merkwürdige Mann, der der Sache,für die er sich entschied, jedesmal mit glühender Leidenschaft diente.Wohl hat er in manchem Schriftstück sich in unklaren Bildern