Druckschrift 
Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Metternich und Friedrich Wilhelm III. in Teplitz .

115

Am 27. Juli fuhr Metteruich dauu uach Teplitz , wo der Königvon Preußen zur Kur weilte, und gewann ihu für seine Absichten.Der König war bereits ganz in den Händen der preußischen Ge-sinnungsgenossen Metternichs , der Kamptz und Wittgenstein, wennauch Hardenberg noch Staatskanzler war nnd von Preußeno ?l»fgäbe so kühn und frei denkende Männer wie Boyen nnd Wilhelmvon Humboldt die wichtigsten Ministeriell inne hatten. Schon imLaufe des Juli hatte der König deu Austrag gegeben zu einerganzen Reihe vou grundlosen und dann mit Brutalität nnd groberVerletzung des Rechtsganges ausgeführten Perhaftungen nnd Hanssuchungen, unter denen das Schicksal des Turnvaters Iahn, derProfessoren (5. M. Arndt und der beiden Welcker, des StaatSratsGrüner und des Buchhändlers Reimer besonderes Aufsehen erregte.Weder der Einspruch des Kammergerichts gegen die BehandlungJahns, noch die Beschwerden Reimers beim Staatsministerinm,nvch Arndts Vorstellungen beim Könige, beim Staatskanzler uudbei dem Minister Altenstein bewirkten, daß ihnen der Schutz desRechtsweges zu teil wurde. Man nennt Friedrich Wilhelm III.gern den Gerechten, aber in seinem Namen und mit seinem Willenist damals viel Unrecht geschehen, und niemand konnte widersprechen,wenn man klagte, daß es in Preußen für den, der beim Könige ver-leumdet werde, kein Recht gebe. Gewiß hatte der König den Willen,das Rechte zu thnn und handelte damals unter der Vorstellung einerdringenden Gefahr des Staates: aber diese Vorstellung war einWahn, der zerstört worden wäre, wenn der König irgend welcheFühlung mit seinem Volke gehabt hätte, und weiter, wenn er nichtgeglanbt hätte, krast seiner königlichen Gewalt über jedes Gesetzhinweggehen zn dürfen. Er war den Einflüsterungen von MenschenPreisgegeben, die ihm schmeichelten nnd die Höslingsknnst verstandenihm zu sagen, was ihm Eindruck machte; er handelte scheinbarallmächtig, aber eben weil er das that, wnrde er zum Werkzeugsremder uud dem Staate wie der Krone Preußen feindseliger In-teressen.

Unter diesen Verhältnissen hatte Metternich leichtes Spiel inTeplitz . Der König war ja thatsächlich bereits im Sinne der

Maßregeln vorgegangen, die Metternich vorschlug, aber doch war

8*