Sachsen. Gras Einsiedet. Die Opposition.
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Einnahmen und Ausgaben vorlegen und die ständischen Verhand-lungen bekannt machen lassen.
Das Beispiel anderer Staaten, hieß es in einem Berichte dcS geheimenKonsiliums von 1817, wo den zur Bewilligung der Abgaben versammeltenVolksreprttsentanten ein solches Budget vorgelegt wird, scheint zwar aus Stank-Verfassungen, wo die Landstände altdeutschen Ursprungs kein vollständige?Repräsentntivnsrccht haben, daher nicht den ganzen Staatsbedarf, sondernnur eine Beihilfe bewilligen, nicht ganz anwendbar... Wenn aber diese Bei-hilfe so beträchtlich wird, daß die Kräfte der Bewilligenden dazu kaum aus-znlangen scheinen, so dürfte wohl die Billigkeit erheischen, ihnen eine tabella-rische Darstellung sämtlicher Staatsausgnben nebst den dazu vorhandenenMitteln vorlegen zu lassen und sie dadurch in den Stand zu setzen, sich vonder unumgänglichen Notwendigkeit des Mehrbedarfs auf das genaueste zuüberzeugen.
Der Minister Gras Einsiedel wies diese Erwägungen der hoheuBehörde und ähnliche Anregungen kurzer Haud ab und beschränktelieber die Ausgaben. Die Reform nicht nur, souderu auch dieVerwaltung stockte aus vielen Gebieten, uud da die Regierungden Eintritt in den Zollverein verweigerte, so vermochten auchHandel und Industrie uicht in dem Maße zuzunehmen, wie essonst nach den Kräften, die sich in dem betriebsamen Lande regten,zu erwarten gewesen wäre.
Im Juni 1830, also noch vor der Julirevolution, wurde imLandtage die Forderung nach Reformen, besonders der Städte-ordnung uud der Finanzverwaltuug, in sehr kräftiger Spracheerhoben. „Es ist das Vermögen des Volkes, an dessen Stellewir die Bewilligung der Mittel aussprechen, welcher der Staatzu seiner Erhaltung bedarf." Damit gaben sich die Ständeeine Stellung ähnlich der Volksvertretung einer konstitutionellenMonarchie. Die Regierung vertagte sie am 8. Juli, aber als dreiWochen später (27—31. Juli) die Revolution in Paris siegte, damachte sich die allgemein verbreitete Unzusriedenheit in Leipzig undDresden in Aufständen Luft, die zwar unbedeutend waren, aberdoch dazu führten, daß der König seinen Neffen zum Mitregenteuannahm und an Stelle des Grafen Einsiedel den Herrn von Linde -nau, einen Mann von hervorragender Bildung und klarer Einsicht,an die Spitze des Ministeriums berief.
Nun wurde in rascher Thätigkeit der Eintritt Sachsens in