Die Gb'ttiuger Revolution. Ihre Folgen.
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durch die Erhebungen, die in dem angrenzenden Braunschweig denHerzog von dem Throne stießen uud iu Hessen den Kurfürstenzum Erlaß der Verfassung zwaugen. Unmittelbar erscheint sie alseine Fortsetzung der ähnlichen Tumulte, die am ö. Januar in dembenachbarten Städtchen Osterode ausgebrochen, aber rasch unter-drückt waren. Der Aufruhr begann mit Angriffen auf das HauSjenes Knesebeck , der sich durch seiue Flugschrist verhaßt gemachthatte (7. Januar)i am folgenden Tage wurde der Polizeikommissarverjagt und eine Bürgergarde gebildet, zu der sich angeblich 2000Bürger und 500 Studenten meldeten, und sodann ein neuer Ge-mcinderat eruanut. Einige Advokaten und der PrivatdoeeutRauschenplatt traten als Führer der Bewegung hervor, die durchruhiges und kräftiges Vorgehen der Behörden leicht hätte ersticktwerden können, denn sie war in fich ganz unklar. Die verschie-densten Klagen und Forderungen strömten zusammen, aber dieDeputation, die nach Hannover entsandt wnrde, nnd die bei dergroßen Schwäche, die dort vorwaltete, Wohl hätte etwas erreichenmögen, wenn sie in sich einig und auf greifbare Ziele gerichtet ge-wesen wäre, deckte dort nnr die innere Schwäche der Bewegungauf. So entschloß man sich denn in Hannover zu krästigem Vor-gehen, und der ernsthaften Drohung gegenüber löste sich der Wider-stand sofort auf. Die verrammelten Thore wurden geränmt, wervon den Führern entfliehen konnte, entfloh, und am 16. Januarzogen die Truppen ein.
Der Herzog von Cambridge erinnerte sich jetzt doch seinerPflicht als Generalgouverneur, kam nach Göttingen, Münden ,Klausthal und hörte hier und von den Bauermeistern der Dörferzum Teil recht eindringliche Schilderungen der traurigen Zustände.Ein Bauer soll den Druck der Abgaben und die Ungerechtigkeitder Verteilung so ergreifend geschildert haben, daß der Herzog dieThränen nicht zurückhalten konnte. Aus Celle, Hildesheim , Lüne-burg kamen Bittschriften mit ähnlichem Inhalt, zugleich aber auchmit der Forderung einer Verfassung, die dem Volke eine bessereVertretung gewähre nnd ein besseres Petitionsrecht. Das alleswirkte zum guten Ziele. Graf Münster wurde entlassen (12. Fe-bruar 1831), der Herzog von Cambridge zum Vizekönig ernannt