DaS Staatsgnmdgesch von 1833. Tcihlmmm,
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stimmungeil zeigen den maßvollen Charakter der Verfassung, ihrenAnschluß an die bisherigen Verhältnisse; aber doch hatte sie durchihre Regelung des Streites über die Domänen, durch die Feststellungder Rechte der Stände in Bezug aus Gesetzgebung und Finanz-verwaltung dem Lande eine wirkliche, zu einflußreicher Teilnahmeberechtigte nnd Vertrauen im Volke weckende Vertretung gegeben.
Auch die alten Stände, die 1831 und dann nach den Neu-wahlen 1832—33 tagten, entwickelten ein bis dahin unbekanntesLeben, und es sind von ihnen Verhandlungen geführt uud Redengehalten wordeu, die durch ihren sachlichen Wert und die Kraft derÜberzeugung nicht nur großen Eindruck machten, sondern auch denStänden selbst das Bewußtsein gaben, zu bedeutender Wirksamkeitberufen zu sein. Die Regieruug war durch den Kabinettsrat Roseausgezeichnet vertreten, unter den Abgeordneten trat neben StüveDahlmann hervor, nicht häufig, aber einigemal mit großem Erfolgesprechend. Die Partei, welche die Vcrfasfnng mehr einheitlich nacheiner Doktrin, etwa nach dem berühmten Muster der norwegischenVerfasfnng gestalten wollte, war klein und wurde um so leichterüberwunden, als sie der Hilfe der gemäßigten Liberalen unterStüveS Führung gegen die Ansprüche des Adels nicht entbehrenkonnte. Anch in die hannoversche Presse kam neues Leben. DieRegierung gründete selbst eine Zeitung, die ohne Censur erscheinensollte, freilich unter der Leitung abhängiger Beamten. Das Blattwar ganz uuscheiubar, enthielt nur wenige Seiten kleinsten Formatsuud hat, wie das damals üblich, von diesem beschränkten Raumegewöhnlich den größten Teil auswärtigen Angelegenheiten zu-gewendet, aber es hat doch auch die wichtigen Zoll- und Eisenbahn-sragen, freilich in philisterhafter Engherzigkeit, behandelt und hatweiter anch die bewunderungswürdigen Artikel Dahlmanns gebracht,welche mit der ganzen Kraft dieses politischen Charakters den Satzverfochten, daß für Deutschland kein Heil kommen könne, ehe Preußen nicht zum System der konstitutionellen Verfassung übergehe. DieseArtikel, die übrigens von dem preußischen Gesandten zum Gegen-stande von Beschwerden gemacht wurden, werden uus später uochbeschäftigen, hier aber gelten sie nns als Beweis, daß das politischeLeben Hannovers wirkliche Kraft gewonnen hatte.