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Ziel einer Einigung Deutschlands unter Preußens Führung erfaßten,und der durch die Begrüuduug des Zollvereins dazu die wichtigstenFundamente legte!
Mitten in der reaktionären Regierung bildeten diese Mannerund ihre Kreise doch einen Quell frischen und kräftigen Lebensund einen Trost für die näherstehenden Beobachter. So begreiftman, daß der ehrliche Schleiermacher, dem niemand das Zeugnishohen politischeu Mutes versagen wird, der von Anfang an, bereits1814, unter den Verleumdungen der Denunzianten hatte leidenmüssen und dessen nächste Freuude schwer verfolgt worden waren, ineiner Rede vom 21. November 1822 das Glück des. preußischenVolkes und sein Vertrauen zu dem Könige preisen konnte, mit demes inhaltschwere Jahre durchlebte, in denen „Fürst und Volk sichanch als Dulder und Helden verherrlicht und durch beides um soinniger verschmolzen haben". Was man auch ertragen mußte:prüfte man das Jetzt und Einst, so hatte man, doch das Gefühleines gewaltigen Fortschritts, stellte die Hoffnungen zurück, diesich uicht erfüllen wollten, und vermochte doch „mit gestärktem Augeheiter in die Zukunft zn fchauen". Dabei wirkte es versöhnend,daß auch manche, die durch Verfolgung der Patrioten sich selbstund dem preußischen Lande einen bösen Namen machten, auf demeinen und anderen Gebiete der Verwaltung Tüchtiges leisteten, undals Träger der Reform und des Fortschritts wirkten.
Zunächst wurde aufgeräumt mit den Resten der ehemaligenPersonalunion, der besonderen Stellung einzelner Landschaftenund Städte zum Herrscher. Das Gebiet wurde neu in Provinzeneingeteilt, soweit möglich mit Schonung der alten Verbände, aberohne Nachgiebigkeit gegen rhetorische Klagen wie die der Altmärker,die sich sträubten, mit den ehemals sächsischen Landen zu der Pro-vinz Sachsen vereinigt zu werden, und gegen ähnliche Empfind-samkeiten. Die Verhältnisse der katholischen Kirche und ihrerOrgane zum Staat wurden nicht mit hinreichender Vorsicht undKenntnis, aber doch auf Grund staatsmännischer Erwägung ge-ordnet, und in der evangelischen Kirche wurde durch die Unionein wichtiger Schritt gethan, nm Gegensätze zu beseitigen, die nurin der theologischen Scholastik, aber nicht in dem religiösen Em-