Gaben Pillersdorff zierten, es genügt doch schon ein Blick in seinekleinen politischen Aufsätze, um zu erkennen, daß von ihm in solcherLage kein rettender Gedanke zu envarten war. Durch einen dreistenAngriff des aus der Revolution hervorgegangenen Wiener Sicher-heitsausschusses bedrängt und von dem Erzherzog Johann , demStellvertreter des Kaisers, im Stich gelassen, machte er im JuliDoblhoff Platz, dem Liebling der Demokratie, der sich aber baldals unfähig erwies. Das Hauptunglück war, daß es nicht ge-lang, die Ruhe in der Hauptstadt ausrecht zu erhalten. Tie wirt-schaftliche Not und die Agitation der meist ganz thörichten undniedrigen Presse hielten die Aufregung wach und steigerten denEinstich von Ausschüssen und Vereinigungen, in denen Leute ohneErfahrung und ohne das Gefühl der Verantwortung, Litteraten,Studenten, Arbeiter und Nationalgarden, die große Rolle spielten.
Tie Verfassung, welche der Kaiser am 2ö. April dem Landeschenkte, diente nicht zur Beruhigung, sondern entsesselte im Maineue Stürme, die den Kaiser zur Flucht nach Innsbruck trieben.Zunächst brachte das einen Umschwung hervor. Die Masse derBürger wollte lieber den Kaiser und den Hof behalten als eineStudentenlegion und politische Aufregung, indessen gelang es eineilBruch zu vermeiden. Der Kaiser hatte in Innsbruck einen Teil desMinisteriums, ein anderer war in Wien ; so war scheinbar alles gesetz-mäßig geordnet, zumal der Kaiser später auch nach Wien zurückkehrte.
Aber es war doch weder bei den Ministern noch bei den Poli-tikern des Reichstags, der Klubs und der Presse ein klares Zielvorhanden, und deshalb auch unter ihnen kaum die Möglichkeiteines ruhigen oder auch nur eines aufrichtigen Zusammenwirkens.Unklar war vor allem, wie man die Beziehungen zu Deutschland und zu den ihre Selbständigkeit oder ausgedehnte Autonomie for-dernden Ländern Italien und Ungarn regeln solle. Sehr beachtens-werte Stimmen sprachen aus, daß Österreich jedenfalls die Lom-bardei ohne Kampf frei geben müsfe. „Nicht durch den Verlust derLombardei kann Österreich in Gesahr geraten", schrieb eine der an-gesehensten Zeitungen am 2. April 1848, „wohl aber durch eineBehauptung derselben mit Waffengewalt", und sie fand mit diesemSatze großen Beisall.
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