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Die Revolution von 1848 und 1849.
27. November verkündete hier das Ministerium sein Programm,versicherte den Willen, freiheitliche Institutionen zn schaffen, vorallem ein freisinniges Gemeindegesetz, Trennung der Verwaltungvon der Justiz und Beseitigung der PatrimonialgerichtSbarkeit.„Nicht der Freiheit gilt der Krieg, sondern jenen, welche das Volkder Freiheit berauben wollen." Über das Verhältnis zu Deutsch-land hieß es: „Erst wenn das verjüngte Österreich und das ver-jüngte Deutschland zur neuen und festen Form gelangt sind, wirdes möglich sein, ihre gegenseitigen Beziehungen staatlich zn be-stimmen. Bis dahin wird Österreich fortfahren, seine Bundes-pflichten treulich zu erfüllen." Hätte Schwarzenberg diese Worteernsthaft gemeint, so hätte er die österreichischen Abgeordneten vonFrankfurt zurückrufen und die Einigung Deutschlands den Ab-geordneten der übrigen Staaten überlassen müssen. Aber es warenleere Worte, so gnt wie die Versicheruugen, daß er die Freiheit zuschützen gewillt sei. Der Belagerungsznstand herrschte in Wien und iu vielen Orten; es begann eine neue Form des Absolutis-mus in Österreich , eiu Säbelregiment mit einigen Formen desScheinkonstitutioualismus.
Eröffnet wurde dies ueue Regiment mit einer Art Palast-revolution. Schwarzeuberg setzte es durch, daß der Kaiser Ferdinand am 2. Dezember in Olmütz die Krone niederlegte, daß anch seinBrnder Franz Karl dem Throne entsagte und daß dessen Sohn,der achtzehnjährige Franz Josef, die Kaiserwürde übernahm, die erfreilich zunächst anch nur dem Namen nach trug. Uuter Schwarzen-berg hatte Osterreich wieder eiue Regierung, die der Gasse Ruhegebot und mit festem Willen klare Ziele verfolgte. Freilich, daßsie nun den Versuch machte, Osterreich in dein Umfang lind wesent-lich mit den Mitteln des vormärzlichen Absolutismus zu erneuen,das konnte nicht gelingen. Fürst Schwarzenberg ist von denParteigängern der Reaktion überschwenglich geprieseu worden: ererscheint als der Held, der den Drachen der Revolution besiegt hat,aber Schwarzenberg verschloß die Augeu vor Thatsachen , die sichdamit nicht hinwegschaffen ließen. Er war Soldat und Diplomat,aber keiu Staatsmann mit dem klaren Blicke für das Notwendige,wie ihn Österreich bednrfte. So wurde sein Regiment die Ursache,