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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Die Revolution von 1848 und 1849.

Des Preußsche Volk weeß, waS es will, un unse König, der iS janz jutun jrundehrlich, ua un unse Prinz von Preußen, ick sag' euch, sie stammenalle beede vonnen ollen Fritzen ab, un sie werren alle beede mit ihr Volkmitjehen, wie ächte Preußen, un denn jnad euch Jott, FürschtendümerkenS,wenn ihr unS eklich macht. Denn heeßt et:

Stiebel, dn mußt sterben.

Aber dieser gesunde Sinn blieb ungepflegt und ungenutzt. Dieuuklare, immer wieder durch Anfälle der Ehrfurcht vor Österreich gebundene Haltung des Königs und die Nachgiebigkeit der radikalenFührer gegen die Wüusche und Lauueu des Pöbels ließen das leereGeschwätz und die jedes Gefühls der Verantwortung bare Witzeleiund Schimpferei in der Presse überwuchern. Selbst der Kladdera-datsch, der sich im allgemeinen bedeutend über die Masse erhob,über denBerliner Krakehler", denBreslauer Putsch" und wiesie alle hießen, glaubte in seinen Nummern vom Juni und Juli diesiunlose Hetze gegen den Prediger Sydow mitmachen zn müssen,der gegen den unnützen Antrag Berends gesprochen hatte, und inden Briefen des Barons von Knobelwitz vertrat er die Behauptung,daß die Straßentnmnlte von den Reaktionären gemacht oder dochbefördert seien. Wer das ernsthaft glaubte, mußte doch vor allemeine kräftige Polizei fordern, aber Polizei und Bürgerwehr wurdenin allen Tonarten verhöhnt und verspottet. In Breslau wurdeim Oktober 1848 ein Witzblatt gegründet, um die Freiheit gegendiese sinnlose Verhetzung zu schützen, das in seiner ersten Nummerschrieb:

Unser Kampf gilt nicht den Demokraten im edlen Sinne, denen daSWohl des Volkes Herzenssache ist und die daher zur Begründung eines mitwahrer Freiheit verbundenen konstitutionellen Königtums treulich mitwirken,die ferner als echte Demokraten jede Überzeugung, anch die entgegengesetztesteachten; mit diesen gehen wir gern Hand in Hand. Unser Kampf gilt viel-mehr denen, die sich Demokraten nennen, in Wahrheit aber die ärgstenFeinde des Volkes sind, weil sie den Samen der Zwietracht überall aus-säen . . . welche endlich, während sie die Fahne der Freiheit und Brüderlich-keit prahlend vorantragen, gegen alle Andersgesinnten die größte Knecht-schaft üben.

Ähnliche Klagen über die Tyrannei der Demagogen sindzahlreich; Männer wie Jacoby, Waldeck, Berends, Stein und ihreFreunde hätten den Mut haben müssen, die gewerbsmäßigen Lürm-macher, die Arbeiter, die das Arbeiten verlernt hatten, und das in