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Die Revolution von 1848 nnd 1849,
ein Bürgertum, aufgeregt und leidend, und als Hoffnung einGrundgesetz, das unter solchen Niederlagen entstehen soll." Soweit war mau damals in Österreich noch nicht, im Reiche abernnd in Preußen war der Liberalismus noch am Ruder. In-dessen schrieb die Kreuzzeitung doch schon Anfang August: „DieRevolution, obschon sie erst vier Monate zählt, veraltet. IhrFlitterstaat, ihre Schminke fällt ab . . . die Kräfte des Wider-standes werden überall sichtbar, besonders der starke Knochenbau,der den Monarchien eigeu ist . . . Der gesunde Menschenverstanduimmt seine zu lange suspendierten Rechte wieder in Besitz."Und gegen den Erlaß des Reichskriegsministers v. Peucker vom16. Juli 1848, daß die preußische Armee den Reichsverweser Erz-herzog Johann als Kriegsherrn anerkennen und die deutschenFarben annehmen solle, schrieb sie die sicher auch von der Mehr-heit der Liberalen im Lande mit Beifall begrüßten Worte:„Preußen, ganz Preußen reagiert gegen die Tyrannen in Frank-furt , ganz Preußen, vom Könige bis zum Bauernburschen, dereinmal eine schwarz-weiße Kokarde getragen oder zu tragengehofft hat." Tausende, die nicht zur Kreuzzeitung hielten, dachtenso, mußten so denken. Es war für Preußen unmöglich, sein Heerdem Österreicher zu unterstellen, weil er den Namen eines Ober-haupts der deutscheu Nation trug. Der große Konflikt der Zeij trathervor: erst mußte entschieden sein, ob Österreich oder Preußen dieGrundlage und das Haupt des neuen deutschen Staates sein würde.Bis dahin schwebten alle Pläne über die Verfassung des DeutschenReiches in der Lnft. Die Kreuzzeitung wies alle diese Pläne ab.Man mag das schelten, aber es war jedenfalls eine klare nnd demBolke verständliche Politik. Darin lag die Stärke der Partei imKampfe des Augenblicks. Die Liberalen dagegen konnten von derHoffnung nicht lassen uud raugen mit den verschiedensten Problemender Gründuug des Reichs. Darin liegt ihr Verdienst um die Zu-kunft der Nation, aber es entsprangen ihnen daraus für jene Tageimmer ucue uud unüberwindliche Schwierigkeiten.
Im Herbst kam die Entscheidung. Das Frankfurter Parla-ment erlebte im September Ereignisse, die ihm den Glanz nnd dieMacht raubten, die in den ersten Monaten alle geblendet hatten,