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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Die Reaktion von 1850185?, im besonderen in Preußen .

aber sehen wir den Minister selbst persönlich diese gesetzwidrigenAkte leiten und das gegen einen Mann, von dem man wußte, wiescharfe Waffen er zur Gegenwehr hatte und wie große und be-deutende Kreise Anteil an ihm nahmen.

Was wird da erst von den untergeordneten Organen derVerwaltung und gegen kleine Leute geschehen sein! So lag dennauch die Masse des Volkes Jahre - lang in dumpfer Erstarrungund erfüllte sich mit der Vorstellung, daß der Staat eine Anstaltsei, in der Gewalt vor Recht geht und in der die Gesetze nur dasind, um sie im Muude zu führen und als Vorwand zur Unter-drückung zn gebrauchen. Das war die Aussaat für das Mißtrauendes Bürgertums in der Konfliktszeit.

Die Regierung war zum Werkzeug einer Partei herabgesunken,die die Mittel des Staates mißbrauchte, um ihren Haß zu be-friedigen und um einer bevorzugten Klaffe die Privilegien wieder-zugewinnen oder zu erhalten, die mit den in der gesamten Gesetz-gebung des Staates und seinen wesentlichsten Einrichtungenherrschenden Grundsätzen nicht zu vereinen waren. Man fühltesich in ihren Kreisen legitimistisch entrüstet über den UsurpatorNapoleon, aber man kopierte sein System. Auch das Briefgeheim-nis wurde ungescheut verletzt. Selbst der Vertreter Preußens an:Bundestage mochte manche Briefe der Post nicht anvertrauen undkaufte bisweilen in einer entlegenen Gasse Frankfurts in einemkleinen Kramladen Käse oder Seife, um dort seine Briefe adressierenzu lassen.

Daß sich auch Bismarck vor solchen Eingriffen nicht sicherfühlte, hing mit dem Gegensatz zusammen, der die herrschendePartei, abgesehen von anderen Gegensätzen, in zwei rivalisierendeLager spaltete, in die Gruppen Gerlach und Mauteuffel.

Berechtigten Spott lud die Regierung auf sich, als sie imEifer der Verfolgung 1851 die Fröbelschen Kindergärten verbot,weil sie den Begründer der Kindergärten Friedrich Fröbel mitfeinem Neffen, dem Republikaner Julius Fröbel verwechselte.Ob die Kindergärten eine nützliche oder doch eine unschuldige Ein-richtung waren, darum hatten sich diese Herren vollends nicht ge-kümmert.