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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Regentschaft und Anfänge König Wilhelms I.

Gespräche beschränkte. Napoleons Zweck war gewesen, Preußenfür seine Ziele zu gewinnen oder es in den Augen seiner Ver-kündeten zu verdächtigen. Keins von beiden war gelungen, da-gegen hatte er Preußen großen Vorschub geleistet. Die Fürsten ,und gerade die, welche Preußens Einfluß am eifrigsten bekämpften,hatten unter dem Einfluß der Sorge vor franzosischen Intriguendie Bedeutung Preußens als der schützenden Vormacht Deutschlands thatsächlich anerkannt. Indem sie sich bei dieser Begegnung mitdem gefährlichen Nachbar um den Prinzregenten scharten, erhobensie ihn thatsächlich an die Spitze des außcrösterreichischen Deutsch-lands , ließen ihn als den geborenen Führer und Vertreter diesesMein-Deutschlands erscheinen, verwirklichten gewissermaßen für einenAugenblick den Kerupuukt der von ihnen viel geschmähten Unions-verfassung von 1849.

Die Zurückhaltung des Prinzregenten erleichterte ihnen das,aber die Thatsache blieb. So faßte es auch das Volk auf, indemes die Wohnung des Prinzregenten in Baden nach dem BesucheNapoleons mit stürmischen Jubelrufen umdrängte und das Ergebnisder Unterredung mit dem Schlagwortabgeblitzt" bezeichnete. Nachder Abreise Napoleons folgten die Fürsten einer Einladung desRegenten auf das Schloß, und er hielt hier eine Ansprache an sie,die man nicht mit Unrecht eine Thronrede genannt hat. IhreGrundzüge waren von Max Duncker entworfen, und ihr Inhaltgipfelte in der Erklärung, daß er auf seiner liberalen preußischenund seiner deutschen Politik beharren werde. Er werde sich auchdurch den Widerspruch der Fürsten gemeint war zunächst derWiderspruch gegen seine Reformvorschläge zur Kriegsverfassungnicht hindern lassen, die Integrität Deutschlands dem Auslandegegenüber unter allen Umständen zu schützeu. Was er über seinedeutsche Politik sagte, klang sehr unbestimmt, enthielt mehr nur eineBeschwichtigung etwaiger Besorgnisse vor Preußens Machtgelüstenals greifbare Ziele, aber um so mehr bildete es ein Zeugnis für dieGedanken und Erwartungen, die die Zeit erfüllten.

Die Könige versuchten zusammen mit Darmstadt und Nassausich über Beschlüsse iu Fragen der Landespolitik zu einigen undden Regenten dieser reaktionären Politik dienstbar zu machen, wo-