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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Der Regent und die nationale Bewegung.

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möglich auch zur Entlassung der liberalen Minister zn bewegen.Aber sie konnten sich nicht einmal untereinander verständigen. Ver-geblich war auch ihr Versuch, deu Regenten zn einer Verfolgungdes Nationalvereins nnd der seine Tendenzen vertretenden Presse zudrängen. Im Gegensatz zu dieser Gruppe hielten sich die Groß-herzoge von Baden und Sachsen-Weimar sowie der Koburger zuder von Preußeu vertretenen Politik, und man könnte diese Ver-handlungen, die sich bisweilen sehr dramatisch gestalteten, in ge-wisser Weise als ein Vorspiel des Franksurtcr Fürstentags betrachten.Es glich ihm in den: Eifer der Fürsten und in ihren persön-lichen Verhandlungen, vor allem aber darin, daß die BedeutungPreußens aller Welt lebendig vor Augeu gestellt wurde. DieGegner Prcußeus traten dabei zugleich als Gegner der liberalenRichtung der preußischen Regierung und der Ansätze zu einer natio-nalen Politik auf. So hätte der Badener Tag wohl dazu dienenkönnen, den Regenten in diesen Bestrebungen zu bestärken, wenner selbst iu diesen Dingen eine feste und geklärte Ansicht gehabthätte. Daran fehlte es jedoch, und indem er im Juli mit dem Kaiservon Österreich eine Zusammenkunft in Teplitz hatte, und im Oktobermit den Kaisern von Rußland uud Österreich in Warschau , gab erwieder ganz entgegengesetzten Gedanken und Gerüchten Nahrung.Auch hatte er wiederholt Gelegenheit genommen, seinen Absehengegen jedeRePetition des schmählichen Anfangs von 1848" undjedeRePetition der Volksbeglückung von unten herauf" zu er-klären. Je weniger Anlaß zn solchen Befürchtungen war, destomehr wurde nun hinter solchen Verwahrungeu gesucht.

Peinlich berührte ferner, daß er sich nicht entschließen konnte,die politischen Flüchtlinge ohne Klausel zu amnestieren, die dochdie Träger der Hauptgedanken der Politik gewesen waren, diePreußen jetzt in Angriff nehmen mußte.

Verstärkt wurden diese Eindrücke durch mancherlei Mißgriffe.So schon bei der Feier von Schillers hundertjährigein Geburtstagam 10. November 1859. Die Feier des Dichters war weit mehrals ein litterarisches Ereignis, sie war

ein rechtes Siegesfcst des Geistes, ein Beweis von der Daner, ja von derunvergänglichen Lebendigkeit geistiger Wirkungen. Sie war vor allem ein