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Kaiser und Reich.
der Erfolge tröstete ihn doch immer wieder über die mühseligeilKämpfe des Tages, und er war im ganzen voll freudiger Zu-versicht und voll des Gefühls, daß noch eine große Entscheidungbevorstehe, die all dies Gezänke um Einzelheiten beseitigen werde.So sagte er am'16.'April' 1369 im Reichstage: „Die Fehler desPartikularismus, die Schwäche nach außen, die Zerrissenheit imInnern, die Hcmmstricke für die Entwickelung von Handel undVerkehr, die hat der Bund im Prinzip vollständig durchschnitten,und sie vollständig zu beseitigen ist seine Aufgabe." Auch für dieäußere Politik bot ihm der Reichstag des Bundes ein gewaltigeInstrument.' Hier bekämpfte er die Windthorst und Genossen, dieParteigänger und Agenten des ehemaligen Königs von Hannover ,der eine „Legion" geworben hatte, um an Frankreichs Seite gegenPreußen zu kämpfen. „Koriolane" nannte er sie, denen es nuran Volskern fehle, um sich gegen das Vaterland zn verschwören,während er die legitimistische Trauer der Hannoveraner um dasalte Königshaus mit großer Zartheit behandelte. Im Reichstageentfesselte er serner am 1. April 1867 jenen patriotischen Sturm,der ihm die Netze der französischen Diplomatie in der LuxemburgerFrage zerreißen half.
Die Gesetzgebung des Bundes war in der Verfassung auf dasNotwendigste beschränkt worden, aber es waren doch sehr wichtigeLebensverhältnisse, die fortan durch den Reichstag und das Zoll-parlament einheitlich geregelt werden sollten. Als der König am22. Juni 1869 in einem feierlichen Akte das Zollparlament nudden Reichstag des Norddeutschen Bundes schloß, da konnte errühmen, wie die Gewerbeordnuug „der freien Bewegung gewerb-licher Thätigkeit neue und der gesamten Bevölkerung des Bundes-gebietes gemeinsame Bahnen eröffne", sodann wie „die Erhebungder deutschen Wechselordnung und des deutschen Handelsgesetzbucheszu Bundesgesetzen" die Bedeutung des Bundes vertieft und be-reichert habe. Auch hatte fich in den Kämpfen dieses Reichstagesund des Zollparlamentes schon der enge Znsammenhang der Ver-fassuug und der Finanzen der Einzelstaaten mit den Bundes-sinanzen und der Bundessteuerpolitik offenbart. Der Reichstag mediatisierte die Landtage nicht, aber sein Einfluß auf ihre Ge-