Druckschrift 
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 
  

42

II. Die Klassiker.

von. dessen Darstellung begeisterten, maß er mit den Augen dieVerhältnisse der Glieder ab, lobte die Meisterschaft des Pinsels, dieLust zwischen Figuren und Mauer, zergliederte die Zeichuuug, spotteteüber Mißverhältnisse und urteilt endlich: Ein sehr gutes Bild, wiesich in unseren Zeiten wenige finden, der ganze Gedanke aber einefranzösische Komödie!

Nach vorwärts wie nach rückwärts stellt Trippel sich selbständig.Auch er sieht nur in der Autike seine Lehrerin, und erfaßt sie aufseine Art. Wem, er in Schlüters Medusenhaupt am BerlinerZeughanse echte Größe findet, so stoßen ihn dagegen die Maskensterbender Krieger ab; beide kannte er freilich nur aus RhodeSStichen. Zwischen dem leidenschaftlichen Wirklichkeitssinn der altennnd ^der kalten Erhabenheit der neuen Schule freut er sich seinergesunden Kraft, seiner freien Empfindung für das Eigenartige.Wir sollten ihm Goethes Büste nie vergessen, die zwar weniger desMannes Bild getroffen, als seine Größe erfaßt hat.

Auch Johann Heinrich Dannecker war in den fünf Jahrenseiner eigentlichen Entwickelung in Rom, nachdem er vorher beiPajou in Paris gearbeitet hatte. Er schloß sich an Canova aberer wurde doch nicht sein Nachahmer, er blieb strenger, minder be-einflußt vom Rokoko als der Italiener. Seine Stuttgarter Park-figuren sind des Zeuge, seine Ariadne auf dem Panther freilichwetteifert an weicher Sinnlichkeit, au Glätte und Schwäche derKnochen mit den Gestalten des gefeiertesten unter den römischemBilduern.

Es ist aber immerhin bemerkenswert, ^daß die Büsten einenwesentlichen Teil des Ruhmes der beiden Künstler ausmachen.Canova sprach es öfter aus, daß er solche zu fertigen nicht liebe.Der Widerstreit zwischen der Schönheit, deren Diener der Künstlersei nnd der Abhängigkeit vom Modell war ihm unbequem. Erwar einer der ersten von jeueu Künstlern der idealen Büste, uuterdereu Wirken das folgende Jahrhundert so schwer leidet, daß wirvon seinen besten Leuten kaum wissen wie sie aussehen, sondernnur, wie sie nach höhereu ästhetischem Auschauuugen hätten aus-sehen sollen. Wie Trippels Goethebüste, so ist Danneckers Schillerja auch stark idealisiert. Es besteht eiu gewaltiger Zwischeu-