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IV. Die Landschaft.
liefert würden; mit Ausnahme Thorwaldsens sei es keinem vonihnen gelungen, dauernden Rnhm zu erlangen. Dann werdensie nacheinander als möglichst unbedeutend dargestellt. Denn wiekonnte auch aus einem Künstler etwas werden, der sich gegen diein Schorn vertretene gewappnete Ästhetik auflehnte. Was ist dasfür eine wundervoll gekennzeichnete Auffassung der Aufgabe desWertes der Kuustschreiberei, der Geschichtsmacherei! Kein Menschwüßte heute etwas von Alexander dem Großen, gäbe es keine Ge-schichte. Daraus folgert aber doch wohl uicht, daß Alexander demKallisthenes oder Kleitarches oder wie sie sonst heißen, die seinLeben beschrieben, seinen Rnhm verdanke und nicht seinen Thaten?Die Werke der Unterzeichner jenes Künstlerbriefes stehen und hängenheute noch in unseren öffentlichen Sammlungen; ihnen danken sie,daß man sie heute uoch nennt, und aus ihnen ziehen die Kunst-schreiber den Stoff für ihre Arbeit, wenn dies eine ehrliche ist. Siewaren keine Alexander in ihrer Kunst, selbst Thorwaldsen nicht. Aberwer ist Schoru? In alten Konversationslexiken findet man, daß erein ausgezeichneter Kunstkenner war, daß er, nachdem König Ludwigihm, wie er zu Cornelius sagte, als Kritiker den Abschied gegebenhatte, Professor in München , seit 1833 Neuordner der Kunstschulein Weimar und dafür in den Adelstand erhoben wurde. Aberwer liest heute uoch seiue Theorie der Bildenden Künste. Eduardvou Hartmann in seiner Deutschen Ästhetik seit Kaut kommt mitder Darstellung dieses Gebietes aus, ohne auch nur Schorn zunennen! Und in den nenen Konversationslexiken, die mit Rechtüber jene Künstler berichten, fehlt mit gleichem Recht SchornsName. Nnr seine Ausgabe des Vasari wird noch gelegentlich er-wähnt, brave Kärrnerarbeit für die Kunstwissenschaft.
Die römischen Künstler hatten also ein gutes Recht, überSchorns Kritiken als solche aus der Froschperspektive sich zu er-bosen. Die deutsche Kritik that aber das, was sie in solchenFällen immer thut. Sie wurde entrüstet über den unwirschenTon, iu dem man sie anfuhr, und strafte diesen mit der feigenWaffe des Schweigens.
Der Vorwurf, den Reinhart seinem jungen Schüler machte,daß er bei seineu Studieu zu sehr ins Einzelne gehe, traf eine