Jüngere Künstler. — Die Akademien.
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entscheidende Seite bei den Jüngeren. Ihre durch das Kopistentumherangezogene Unbeholfenheit wußten sie der Natur gegenüber nurdurch Fleiß zu überwinden. Da sie die Dinge in ihrer Ganzheiterfassen wollten, nahmen sie sie mit allen ihren Teilen und Teilchen.Die Gegnerschaft gegen die beiden älteren Vertreter der geschichtlichenLandschaft war eben keine grundsätzliche, sondern eiue solche, welcheaus der Umbildung des nationalen Geschmackes beruhte, der eintieferes Eingehen in die Einzelheit der Natur, eiu stärkeres Sondernjeder Art von Pflanze und Fels, von Nähe uud Ferne, von Bodenund Luft forderte. Der Ruf nach sorgsältigem Naturstudium, derdurch die unbefangene Wahrheitsliebe gelieferte Beweis, daß durchdieses eine schönheitliche Wirkung zu erzielen sei, drängte die jungenKünstler von der verallgemeiueruden, lediglich auf das Große ge-richteten Auffassung ab und führte sie zu einem Wandel in derGrundlage der geschichtlichen Landschaft.
Das zeigte sich schon in den jungen Künstlern, die nnn inRom eintrafen. Es seien neben jenem früh verstorbenen Hornymir Carl Fohr und Ferdinand Olivier genannt. Sie sindsehr fleißige Beobachter, sehr eifrig bemüht, die letzte Kleinheit inder Natur zu sehen. Aber früher Tod oder die Abneigung derZeit gegen ihre uuideale Kunst verhinderten sie, Einfluß zu erlangen.Olivier wnrde der Schwager Schnorrs von Carolsfeld, in dem seiucArt, kräftiger entwickelt, wiederkehrte.
Rom ist der einzige Ort auf dem Erdenruud, sagte der MalerWächter, wo es wenigstens erlaubt ist, nach dem Schonen undHohen streben zn dürfen! Es war das wohl auch der Grund,warum iu späteren Jahren Numohr juuge Künstler lieber nachMünchen wies als eben nach Rom. In München und auch inWien gab es eine Grundlage für reales Schaffen, auf die er siewohl hingewiesen haben mag. Es war freilich diese Grundlageuicht die Akademie, sondern das dort kräftig blühende Nolkstum.
An der Wiener Akademie herrschte Friedrich Heinrich Füger ,damals als der deutsche Rafael bekannt. Er gehört in denKreis der Schwaben, die sich an Mengs und an den Franzosen zuidealistischer Kunstbehandluug aufgerichtet hatten; dann hatte er beiOeser Trost in seinen stilistischen Zweifeln gefunden und nach dessen