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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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IV. Die Landschaft.

Grundsätzen in Wien eine staatliche Kunstschule eingerichtet, die bisin Cornelius' Düsseldorfer Tage für die beste in Deutschland galt.In München war ein ähnlicher Gewaltiger: Johann Peter vonLanger , von dein wenigstens eine tüchtige Kenntnis des Hand-werklichen ausging. Aber schon sammelte sich in beiden Städten eineAnzahl Künstler abseits vom öffentlichen Kunsttreiben, in denendas Volkstum stärker war, die Alpenluft, das Bauernempfinden,als die gelehrte Schulung.

Es gab doch Aufgaben, bei denen selbst der beste Wille aufden Idealismus verzichten mnßte, weil die schlichte Wahrheit geradezugefordert wurde. Zunächst bei allem Illustrativen. Wenn diefranzösischen oder russischen Soldaten durch die deutschen Städtezogen, wenn die gewaltigen Schlachten geschlagen wurden, wenn einNeubau errichtet wordcu war, wenn ein Reisender Ansichten einerGegend, einer Straße mit heim nehmen wollte, so zeigte sich dasBedürfnis nach Bildern, welche diese Ereignisse und Gegenstündeso getreu wie nur irgend möglich wiedergaben; dann wnrdc die höhereFormenbehandlung zur augenfälligen Unwahrheit. Wenn man sichauch in gebildeten Kreisen darüber klar war, daß diese Forderungenmit der Kunst als solcher nichts zu thun hätten, so fanden sichdoch in allen Ständen Menschen genug, die, des wahren Idealismusbar, ein Schlachtenbild nicht als den Kampf zweier symbolisierterGewalten zu sehen wünschten, sondern sich freuten, die Soldatenum den Sieg ringen zu sehen. Vielleicht wollten sie sich selbst injenem Augenblick festgehalten finden, in dein sie tapfer ihr Leben indie Schanze schlugen, den höchsten Zielen dienten, ohne dabei an dieeigene schöne Haltnng anch nnr einen Augenblick gedacht zu haben.Es gab Reiter, die ihr Pferd liebten und es gemalt haben wollten.Jeder Knnstverständige sagte ihnen freilich, ohne Idee werde dasBild kein Kunstwerk. Gab der Künstler dem Werk aber eine solche:das Pferd als treuer Genosse, als Held, als liebende Mutterdann war's eben wieder der Gaul nicht, den der Reiter liebte,dessen Seelenznstände ihm viel gleichgültiger waren als die Bildungder Mnskeln, das Verhältnis von Fessel zu Huf, von Hals zuKopf, von Brustbreite zu Beinhöhe. Und diese minder gebildetenKunstfreunde hatten dann ihre ehrliche Freude au dem blanken Fell,