Realistische Aufgaben. — Schlachtenmaler.
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dem gesunden Ban, der Wahrheit in Farbe und Zeichnung undließen sich nicht einreden, daß das ideale oder romantische Roß einbesseres Kunstwerk gebe, als der muntere Hengst unter ihrenSchenkeln.
Es gab mithin eine für manche Künstler unabweisbare For-derung, so zu malen, nicht wie der Ästhetiker, sondern wie derLaie es forderte. Und dafür gab es anch schon Vorbilder. DieEngländer hatten das Pferdebild, daraus fortschreitend das Jagd-bild, endlich das Schlachteubild in einer alles Idealismus barenNüchternheit schon geschaffen, zu einer Zeit, in der ein solches inDeutschland nur Achselzucken gefunden hätte.
Für die Soldaten erfüllten diese Aufgabe Albrecht Adam , derVater ciues Geschlechts von Schlachten- und Tiermalern, PeterHeß, beide in München, Johann Peter Krafft in Wien, FranzKrüger in Berlin . Sie waren es, die den deutschen Heeren ihreGeschichte und ihre Trachten vor Augen hielten. Der AltmeisterAdam war ein Künstler, der selbst im Sattel sicher war. Alsjunger Mann ans den Schlachtfeldern Rußlands , fast schon einGreis auf jenen der Lombardei , hat er bewiesen, daß es ihm darumzu thnn war, den wirklichen Krieg kennen zu lernen. Er wardabei, wo die Kanonen krachten, und holte sich dort die Begeisterungfür sein Schaffen, für feine Bilder und mehr fast noch für seineZeichnungen ans Stein. Es kommt manches bei ihm recht höl-zern herans, namentlich wenn eine Schlacht vom Standpunkt desGeneralstabsoffiziers als eine taktische Leistung geschildert werdensoll. Aber die ehrliche Absicht, das, was die Ästhetiker seine eng-herzige Prosa nannten, ist dem Modernen das Erfreuliche: wirk-liche Menschen, ein Bild des Lebens. Man stellte ihm oft Wouwer-man entgegen, den er doch fleißig studiert hatte. Aber man ver-stand den alten Holländer anders. Bei diesem, sagte die Kritik,ein stattlicher Zug zu Roß mit Hunden und Jagdfalken, bei AdamJäger, die abgetriebene Rüden in den Stall zerren! Bei diesemdas verfallene Gemäuer einer Ritterburg, bei Adam nicht der Duftder Romautik, fondern der des Stalles! Wie konnte man eineschärfere Verurteilung aussprechen, als daß bei ihm der Stall auchnach Stall zu riechen, nach bewährter Pserdezüchter Vorschrift ein-