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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Preller. Schirmer.

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ich das porträtartige Wiedergeben der vorhandenen Natur als fürdie Künste von zu wenig Bedeutung halte. Er kennt zwei Artender Landschaftmalerei: entweder gestaltet man einen Naturgegenstandaus und rundet ihn zum Bild ab; oder man findet einen Gedankenund sucht sür diesen die geeigneten Gegenstände in der Natur. DieKopisten möchte er kaum Künstler nennen, sie stehen zu diesenwie der Abschreiber zum Dichter, ihr Ziel ist die Täuschung. DieWahrscheinlichkeit im Bild ist vollkommen genug an Naturwahrheit,als Mittel zur Verkörperung eines poetischen Gedankens. Preller waralso nicht umsonst ein Günstling Goethes gewesen, sein Werk vollzogsich unter den Augen der Kunstschreiber. Und die fuhren dennhart auf jeden ein, der aufhören wollte, ideal zu sein. Die ganzeLandschaft ist ja nach dem so gefeierten Kenner, dem Grafen Schack,ein Zeichen des Verfalles der Kunst, nur ein Schaffen von unter-geordnetem Rang; sie werde stets auf sekundärer Stufe stehenbleiben, sei das Erzeugnis des Bedürfnisses der Nordländer, denso oft entbehrten Naturgenuß in ihre Zimmer hereinzuholen. DiesemGrundschaden war eben nur durch das Anknüpfen an die Geschichts-malerei und durch Abstraktion von der Farbe zu begegucn. Prellermachte Kartons, dann leicht gefärbte Wasserfarbenbilder uud hütetesich wohl, so gut zu malen, als er wohl, nach seinen Skizzen zuurteilen, gekonnt hätte. Wo wäre sonst die Abstraktion geblieben!Wo der Wettbewerb mit denprimären" Kunstgebieten! Es ist keinSpaß, wenn man sich als ein so vollkräftiger Mann fühlt, wiePreller es war, stets beim Untergeordneten ausharren zu müsfeu,bei der Berufung zur Kunstakademie in Weimar , seiner Heimat,zurückgesetzt zu werden, weil man nicht zu dieser primären Kunstvorzudringen vermochte!

Schiriner ist der letzte der Reihe. Mit ihm tritt die reine Romantikin die Landschaft, mit ihm und mit dem Maler Karl Friedrich Lessing .Preller galt der Zeit noch für antik, obgleich fein Erfolg im wesent-lichen darauf beruht, daß er die Antike romantisch erfaßte, das Schauer-liche, Düstere, Phantastische mit in seine Odysseebilder hineinflocht,dessen man zur rechten Seelenerregung bedürfte. Es ist etwasWesentliches, sagt Fahne, ein Düsseldorfer Kritiker, 1836, was dieneuereu Landschaftsmaler vor den älteren das sind die Nieder-