Druckschrift 
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

Kotzebue .

195

diese, sondern an alle wenden. So nimmt z. B. Kotzebue in seineritalienischen Reisebeschreibnng für sich das Recht in Anspruch, zu redeuwie ihm der Schnabel gewachsen sei; wenn er nur gut gewachsenwäre; und das nimmt er natürlich von seinem an. Sein Buchüber Italien (1803) ist daher als Lehrmittel anzusehen für denGeschmack der Menge jener Zeit; für das was ein gebildeter Mannder Gesellschaft empfand. Er hielt sich für einen verständigenMenschen, der sich nicht auf klassische Höhen hinaufgeschraubt habe;er hatte sein Leben in seiner Zeit gelebt, mehr besorgt um denTag, den er verbrachte, als um die Vergangenheit; er sagt das,was man wohl von den Reisenden im allgemeinen zu jener Zeitin Italien hörte. Denn die, welche die Wissenden für banausischerklärten, ärgerten sich ihrerseits über das überreizte Wesen derKenner; wollten schon deshalb nicht für schön finden, worin sienichts als altertümlichen Kram, Ruinen, Steinbrocken sahen. DieGriechen, sagten sie mit Recht, hatten diese Beschnüffeluug jedesalten Nestes verhöhnt. Kotzebne fühlte sich nicht als Grieche, sondernlachte herzlich über jene, die in nachgeahmter Chlamys einher-schreitend der Welt weis machen wollten, sie seien hellenischen Geistesvoll. Er staunt mit offenem Maule die an, die vor einem antikenTopf in Entzücken geraten und in der Topfschmiererei der Griechenmit den Angen ihres Geistes Vortresflichkeiten gewahr würden,welche sonst niemand sehen könne. Winckelmann halte die Weltdamit zum Besten. Der Dichter von Menschenhasz und Reue, dersich durchaus den Edelsten seiner Zeit für ebenbürtig, an gesundemMenschenverstand ihnen aber überlegen hielt, kam zu der Ansicht,daß es Zeit sei, der erheuchelten Begeisterung mutig und mitSelbstgefühl eutgegcuzutrcten. Er ist für moderue Kunst. Er be-geistert sich an Cauova, den man zu verkleinern suche, da es ihmangeblich an Kraft fehle. Aber sein Verteidiger findet als desBildhauers Hauptfehler, daß er noch lebe, daß er mit seiner Größein ein Geschlecht der Krittler hineinrage. Er brauche seine Ar-beiten nur zu vergraben und finden zu lassei?, um sie in die gleicheHöhe mit Phidias erhoben zu sehen. Hier wird Kotzebne wirklichwarm. Ebenso vor dem Bilde des Italieners Camaccini, dem Tod

der Virginia . Das sei so rührend dargestellt, daß hier jeder Tadel,

13*