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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Goethe und die Prärcifaelitcn, Wcickenrvder,

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alten Maler das Rechte zu erfassen glaubt, kennt ihren wahrenGeist, ihr besseres, weiter gestecktes Ziel noch nicht!

Daß die Kunst sich an Vorbilder halten müsse, daß sie derVorarbeit früherer Meister sich zn bedienen habe, war ihm klar.Er sah den Beweis des Steigens in der Knnst darin, daß sie eineunendliche Vollkommenheit erstrebe, des Sinkens, daß sie bedingteMuster nachahme. Es begegnete ihm also das zweite Mal, jetztwie beim Auftreten Carstens das Unglück, in dem was die Jüngerenfür Aufschwung hielten, den Niedergang zu erkennen.

Namentlich aber wünschte er Frieden nnter den Künstlernselbst. Mit Ungeduld sahen die Weimaraner das Herausdringenimmer neuer Parteien unter den Künstlern. Diese bekämpften sichmit bitterem Haß, Schmähungen, Ungerechtigkeiten. Das kränktejene im Sinne des gesunden Menschenverstandes. Schönheit uudWahrheit giebt es notwendiger Weise nur eine. Sie waren nachreiflicher Erwägung zu der Klarheit gekommen, daß sie die ästhetischeWahrheit und die aus ihr sich ergebende Schönheit kennen, siefühlten sich einig mit allen großen Denkern, sie hatten in Kanteinen neuen Rückhalt gefunden. Warnm nahmen nun die jungenKünstler von ihnen die gern gebotene Erkenntnis nicht an? Warnmbekämpften sie sich in Fragen, die nach ihrer redlichen Erkenntnisgar nicht Kernpunkte der Kunst seien?

Eine Verständigung mit den Jungen, den nach Neuem Stre-benden war nicht möglich. Überall stießen die Meinungen hart auf-einander, seit die Kunst in den Romantikern neue Verteidiger ge-fuudeu hatte.

Heilige Ehrfurcht vor der verflossenen Zeit in einem stillen,unanfgeblähten Herzen tragen! Das ist die Grundlage, aus dernach Wackeuroder die neue alte Kunst hervorgehen solle. WieRumohr war er in Göttingen durch Fiorillo in die Knnst ein-geführt worden, den Oeser der Romantik. Man rufe nach Idealenund suche diese nicht am Wege znr Natur, sondern im Außerordent-lichen, über der Natur Stehenden. Man erkenne das Geheimnisvolledes Ideals, aber glaube über die Thatsache, daß es eben ein Himm-lisches sei, spotten zn können; rede darüber wie über menschlicheDinge, während man doch an dieses als an das Allerheiligstc