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V. Die Romantiker.
Huldigung für seine Mystik, für seine Volksmäßigkeit nicht vor demThor des Glaubenswechsels stehen blieb, wie bei den englischenPrärafaeliten.
Dazu kam die fast krankhafte Sehnsucht nach Italien . AlleGroßen huldigten ihr. Goethe suchte noch die Myrte und Gold-orange, das hohe Haus, auf Säulen ruht sein Dach! Die Roman-tiker suchten das Mittelalter und die Frühreuaissance, die sie soganz und gar nicht verstanden, in der sie ihr Schmachten undSchwärmen als Selbstziel wiederfinden zu können meinten. Sieendeten wieder im Katholizismus. Glockenklang, Weihrauch,rauschende Musik — für Musik waren sie alle besonders empfäng-lich — und Mystik; die Mystik nicht des Glaubens sondern inihrem äußereu Auftreten. Gerade den Protestanten gefiel der ent-sagende Mönch, der Bischof in goldstrotzendem Gewand, das Wnnderder Messe, der selbstauferlegte Zwang an die Wahrheit und denWert aller dieser Dinge zu glauben; gerade weil man aus demspottenden Zweifel kam. Zu solchen Stimmungen halfen alleNebenerscheinungen mit. Das Heidentum des Größten unter denProtestanten, Goethes, die eigentümliche Liebe Schillers für diewenn auch in innerster Seele verurteilte Pracht der Kirche, diesich in der Predigt des Kapuziners im Lager Wallensteins , imHeldentum dieses Vorkämpfers des alten Glaubens, in Mortimersfeuriger Rede, im Tode der Maria Stuart , in der Jungfrau vonOrleans bekuudet. Er findet bei Schiller kein Gegengewicht in derDarstellung protestantischer Glaubenstrene. Selbst Goethes Egmont ist vor allem Weltmann. Mortimers Rede giebt das Programmder Romantik:
Wie wurde mir, als ich ins Innre nunDer Kirchen trat, und die Musik der HimmelHeruuterstieg, und der Gestalten FülleVerschwenderisch aus Wand und Decke quoll,Das Herrlichste und das Höchste, gegenwärtig,Vor den entzückten Sinnen sich bewegte,Als ich sie selbst nun sah, die Göttlichen,Den Gruß des Engels, die Geburt des Herrn,Die heilge Mutter, die herabgestiegneDreifaltigkeit, die leuchtende Verklärung —Als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht