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V. Die Romantiker.
und fanden es schließlich zumeist in der römischen Kirche. Aberdie größte That, zu der der glänzendst Begabte eben gut genugist, die Hingabe seines Selbst an eine große Sache, die stellten siewohl dar, ohne daran zu denken, daß die Zeit nicht gemalte,sondern lebendige Helden brauche. Man war zu gut, zu gebildet,zu vornehm in seinen römischen Idealen, um das nicht immerreinliche Geschäft des Kriegers zu verrichten. Wohl atmen dieBriefe des Cornelius während des Weltkampfes kriegerische Stim-mung. Aber er kämpft für seine Kunst, und denen, die draußenim Felde lagen, hätte dieses Kriegsgeschrei weitab vom Schußgewiß recht ärgerlich geklungen, hätten sie es gehört. Die Künstler,selbst wo sie national zu werden einsetzten, fühlten sich doch inihren Zielen außerhalb der Nation. Sie lebten in der fremd-brüderlichen Gemeinschaft des Gedankens mit allen Völkern derWelt; sie thaten sich etwas darauf zu gute, die Gesamtkunst inihrem Busen widerspiegeln zu sehen.
Von den Vorkämpfern ihrer Sache, von den Romantikernhatten sie trotz allem Reden vom Deutschtum einen strengeren Hin-weis auf ihr nationales Gewissen nicht zu erwarten. A. W. Schlegelsagt selbst von sich, daß er fremdländische Dichtung nicht ansehenkönne, ohne ihrer zu begehren in seinem Herzen; er klagte sichdes beständigen poetischen Ehebruchs an und war vom Eifer beseelt,alles Ausländische gründlich kennen zu lernen; war gewillt, sich indie entlegensten Denkarten und die abstechendsten Sitten zu versetzen.Er wollte die deutsche Sprache zum Pantheon machen, worinalles Größte und Schönste, was andere Völker und Sprachen hervor-gebracht hatten, in getreuen Abgüssen zu gemeinschaftlichem Kultusaufgestellt werde, darin Herders Nachfolger. Den Ruhm Deutsch-lands sah er im Gegensatz zu dem Frankreichs , das den Ausländerals Fremden ansehe, solange er sich nicht auf französische Art be-nehme, in dieser Aufnahmefähigkeit für aller Völker Art. DerÜbersetzer des Shakespeare war ein schlechter Vertreter der nationalenSonderung, welche im Traum der Künstler lag. Ähnlich Tieck ,sein Genosse. Wohl wirkte er auf Schick durch sein angenehmesGespräch, wie Davids Harfe auf König Saul; er besänftigte, wiejener erzählt, den bösen Geist in ihm. Aber es bleibt fraglich,